Leseverständnis

Wir Lesenden haben ein Fähigkeit, deren fachliche Bezeichnung mir gerade nicht einfällt, die uns davor bewahrt unbedingt Buchstabe für Buchstabe lesen zu müssen. Wir ergänzen aus dem Gehirn heraus intuitiv und meist sinnvoll, bevor wir richtig weiterlesen. Deshalb können wir auch fehlerhafte Sätze verstehen, Handschriften entziffern, Abkürzungen deuten oder teh kittiehs of teh interweb süß finden.
Manchmal spielt uns diese Fähigkeit aber auch einen Streich und wir lesen gerade bei unbekannten Wörtern etwas falsches, was uns geläufiger ist.

Ich habe vorhin “Türkinnen” gelesen, wo “Türklinken” stand.

5 Kommentare

  1. Logopæde 29.11.2008

    Jetzt interessiert natürlich, wann Du es bemerkt hast.
    Für den Terminus ist mir auch noch zu müde. Miss Sophie, übernehmen sie.

    Beim Verhören wurde mir, wie bereits erwähnt, gestern der Teeladen zum TPunkt. Das war richtig blöd.

  2. ich wurde gerufen ;)

    Da stecken genau genommen 2 Phänomene dahinter. Der Teil mit dem Wörter trotz falscher Schreibung erkennen, ist der Wortüberlegenheitseffekt. Der richtig geschriebene Teil aktiviert eine Liste von Wörtern im Gehirn. (Es ist btw generell so, dass wir bereits bei den ersten Buchstaben die passenden Wörter aktivieren.) Und dann wird vom Kontext her darauf geschlossen, welches das passende Wort ist.

    Dabei spielt dann noch der sog. Frequenzeffekt mit rein. Häufig vorkommende Wörter werden schneller erkannt als seltene Wörter.
    Und dann gibt es da noch den recency-Effekt. Die zuletzt gehörten/gelesenen Wörter bzw. Sachverhalte merkt man sich am besten.

    Beim Teeladen/Tpunkt-Fall vom Logopäden würde ich z.B. auf eine Mischung auf Frequenz- und recency-Effekt tippen. Da hat jmd in der kürzeren Vergangenheit häufiger Tpunkt als Teeladen gehört und zack, ist der Verhörer da.

    So ganz glasklar kann das Verhören damit zwar nicht erklärt werden, aber es ist zumindest ein Ansatz.

    ps: Witzigerweise habe ich genau dazu am Montag ein Referat gehalten :)

  3. Ging mir auch so. Und ich fragte mich, wem das noch so gehen würde.

  4. ja verhören. ganz schlimm. da hat mich mal jemand wegen tollen schnürsenkeln zum shoe-star geschickt. “hmmm”, dachte ich, “die kette kennste gar nicht!”

    weil`s der schuster war.

    ^_^’

  5. miss sophie hat den Beweis für mich: ich habe beruflich gerade ein Projekt, bei dem es auch um die Türkei geht. Gesellschaft, Politik und so. Da habe ich aktuell öfter mit dem Wort “Türkinnen” zu tun. Und Türklinken nutzt mensch, aber er liest sie selten. Jetzt bin ich aber froh, dass die Wissenschaft eine Erklärung für mich hat.

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