Björns Radiotheorie

Unter allen Medien hat das Radio einen entscheidenden Vorteil: Die Rezeption geht nebenher.

Ein Buch, eine Zeitung, ein normaler Computer verlangen immer, dass wir unsere Haptik für sie reservieren, wenn wir die in ihnen enthaltenen Informationen rezipieren wollen. Texte lesen geht nun mal nicht ohne umblättern oder URLs tippen.
Dazu kommt, dass Lesen Augen fordert. In ein Buch, eine Zeitung auf einen Computerbidschirm sollte mensch schauen, um das dort angebotene wahrzunehmen. Dasselbe gilt auch fürs Fernsehen.
Radio muss man als Rezipient nur hören. Da kann mensch nebenher kochen oder putzen oder duschen oder sich ums Kind kümmern.

Deshalb will ich mehr Radio. Ich will Blogs vorgelesen bekommen, Twitter als Hörstück, Mails wie Telefonanrufe erhalten. Ich komm nämlich gerade aus einer privaten Umorientierung heraus kaum noch vor den Rechner und damit nicht mehr recht ins Internet. Aber ich habe viel Zeit zuzuhören. Bitte macht mir ein Hör-WWW!

Aber, wenden kluge Menschen hier ein, das Internet als soziales Medium, Blogs und Twitter, sogar Mails leben ja nicht nur vom Rezipieren, die Partizipation ist doch der Clou! Wie willst du denn dann bei deinem Hör-WWW mitmachen?
Ich stelle mir mein Hör-WWW so vor: Ich habe so eine Art Headset aufm Kopp und meine Tweets, meine Blogkommentare, meine Mailantworten und die von mir geklickten Links kann ich über Spracheingabe loswerden.

So hätte ich das Netz gerne. Und sicher gibt es sowas. Ein Freund von einem Freund, hatte als schwer sehbehinderter Mensch an seiner Uni in den USA die staatlich geförderte Möglichkeit, sich alles und jeden Scheiß, den die Hochschule an Medien hatte, entweder vorlesen zu lassen oder als Audiofile zu bekommen. Da brauchte es noch einiges an menschlicher Arbeitskraft, um ihn Texte im weiteren Sinne hören zu lassen. Und Mensch ist teuer. Deshalb wird er wo’s geht durch Technik ersetzt. Die sollte doch in den letzten Jahren viel erreicht haben bei der automatischen Textwiedergabe, -erfassung und -interaktion. Also, raus mit der Sprache: Wer hat’s erfunden, mein Hör-WWW?

7 Kommentare

  1. Mein Standarttipp ist ja, sich ein freies Radio in der Nähe zu suchen und das zu hören. Nicht nur, weil die Musikauswahl deutlich umfangreicher ist als bei klassischen/komerziellen Radios (was auch bedeutet, dass man mal zwei Stunden sch..Musik hören kann) und weil die Inhalte sowas wie “Hörblogs” sind. Nur, dass es bei der Erfindung des freien Radios noch keine Blogs gab.
    Ansonsten könnt ich ja Eigenwerbung für meinen Podcast machen, aber da der auf luxemburgisch ist, nützt dir das wohl kaum?

  2. Ja, freies Radio ist was Feines, hab da früher in einer anderen Stadt selbst dran mitgearbeitet. Und Podcasts sind auch was Tolles (allerdings wird’s mit dem Luxemburgischen echt schwer für mich). Aber ich meinte das mit dem Hör-WWW genereller. Ich fände es toll, wenn das gesamte Internet via Audio bedienbar wäre (naja, ausser Bilder irgendwie, aber meine Theorie ist ja noch an ihren Anfängen).

  3. Cool, du warst aber nicht per Zufall mal auf dem Radiocamp am Bodensee?
    Hör-WWW klingt erstmal spannend, aber irgendwie scheint mir, dass künstliche Sprachausgabe noch immer in den Kinderschuhen steckt und selbst vorlesen ist halt mühsam und macht viel Arbeit. Gabs nicht mal ein Projekt, das ausgesuchte Blogeinträge vorgelesen hat?

  4. Tut mir leid, auf dem Camp war ich nicht.
    Das mit der Sprachausgabe (und -Erkennung) wird wohl noch das Problem sein, ja. Ich meine, so ein Blogvorleseprojekt gab’s. aber wo?

  5. Hab mal nen Podcast über barrierefreie Websites gehört. Für Blinde werden die komplett vorgelesen. Auch die Menüs. Und Links. Klingt eigenartig…

  6. kannst dir ja mal ein text-to-speech plugin installieren, dann kannste dir das alles vorlesen lassen z.b. das: http://clickspeak.clcworld.net/index.html aber ob das spass bereitet?

  7. @k.p. du lagst im spam-verdachtsordner (kein wunder bei den von dir angegebenen daten) und ich habe warumauchimmer keine benachrichtigung bekommen und war ichweißwarum 8 tage nicht hinter meinen kulissen. mal schauen, ob und wann ich dazu komme, so ein plugin zu testen. aber danke für den tipp!

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