Liebe
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Liebe ist …

nicht ganz so einfach. Wenn ich sie aber auf ein paar wenige Grundsätze herunterbrechen müsste, dann auf drei Definitionen die mir weise Menschen vermittelt haben:

1. Liebe ist Respekt.
Das hat uns unser Physik- und Klassenlehrer in der achten Klasse beigebracht. Wir waren im Schullandheim und versuchten uns im Lieben. “For the world you are someone, but for someone you are the world!” hatte Jennifer auf einen Karton gemalt für Mark-Michael. Sandra hat so lang an unserer Profifußballhoffnung rumgebaggert, bis der dann doch irgendwie mit ihr gehen wollte. Ich war eigentlich ein wenig traurig, dass Jennifer diesen Karton nicht für mich gemalt hatte, habe dann aber in langen Zwiegesprächen über unsere bescheuerten Eltern und deren Scheidungskriege in Carola eine Seelenverwandte und meine erste Freundin gefunden. Konrad, der Klassendepp, hat in sechs Tagen acht Mädchen gefragt, ob sie mit ihm gehen wollen. Abgesehen von Dagmars Angebot “Ja, bis zum Mülleimer” hörte er nur Absagen.
Unterm Strich kam es also im Schullandheim zu einigem innigen Händchenhalten, Knutschen und Fummeln. Und damit zu Dingen, die im dümmsten Fall die Aufsichtspflicht des Klassenlehrers tangierten. Der blieb aber cool. Statt uns die Tändeleien zu verbieten, setzte er sich abends mit uns Pärchen zusammen und klärte uns über seine Idee vom gegenseitigen Respekt und dem vorsichtigen Umgang miteinander auf.
Im Schullandheim verlief dann alles recht harmlos, ich habe dennoch noch rund weitere zehn Jahre gebraucht, bis ich das mit dem Respekt ein wenig kapiert habe und nicht mehr in anderer Leute Tagebücher geschnüffelt habe oder dergleichen. Das mit dem Respekt kann ein schwerer Weg sein. Was uns zum zweiten Grundsatz bringt:

2. Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Dieser Satz stammt von Evje van Dampen und es ist wahr. Liebe ist Arbeit füreinander, umeinader und miteinander.

Den dritten Grundsatz hat mein Religionslehrer in der Oberstufe verkündet. Ich weiß nicht so recht, ob er ihn beherzigt hat. Jedenfalls war er trotz all seiner Geselligkeit und seinem Image als coole Sau ein unglücklicher Mensch und ist einsam tragisch und verdammt früh ums Leben gekommen.

3. Liebe ist Geben.
Das gilt nicht nur für Weihnachtsgeschenke. Und ich finde, das ist der wichtigste aber schwierigste Grundsatz. Lange lange habe ich in meinen Beziehung vorrangig genommen und gefordert. Und als ich das erkannt und stark reduziert hatte, wollte und konnte ich immer noch nicht geben. Mein Grundsatz: Ich will nix von euch, also erwartet nix von mir. Den Hut tief ins Gesicht und nach Westen reiten. Wie blöde.
Mir fällt das mit dem Geben aber immer noch schwer. So viel liebe Korrespondenz, die ich nie beantworte. So viele Einladungen, die ich nicht angenommen oder ausgesprochen habe, so viele Ehrentage, die ich vergessen habe. So viele Aufmerksamekeiten für die ich mich nicht bedankt habe. Und das ist größtenteils nur das Zurückgeben.
Andere können das besser. Da kommt ein Kind auf die Welt und diese anderen geben ihrer Freude darüber im Geben Ausdruck. Es ist unglaublich, was in den vergangenen Wochen hier an Liebe ankam. Als Anruf, Brief, Besuch. In Form von Blicken, Lächeln, Einkaufen, Kochen. Von engen Freunden und fernen Verwandten. Liebe ist Weihnachtsgebäck, Babyklamotten, Tigerenten, Freudestrahlen, seeliges Wiegen und eine Reinhard Mey-CD.

Danke.

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