Keiner nimmt Notiz

Ich laufe. Ich laufe durch das Weiß. Kein Brautkleid. Ich laufe im falschen Licht der Gaslaternen, laufe durch fahle weiße Unwirklichkeit. Nur die rasende Unruhe, der schnelle Schritt, der pochende Puls, die wild suchenden Augen, die sind echt. Ich laufe weg. Blut, das den Manschettenumschlag des linken Hemdärmels dunkelbraun verkrustet, tropft. Blutstropfen im Schnee, das Herzeleid.
Ich blute und keiner nimmt Notiz.
In der Stadt, deren Sprache ich nicht verstehe. In der ich ohne Dich nicht bin.
Ich laufe schneller, wen soll ich schon bitten. Um was. So fern ist eine zarte hand auf meinem blanken Arm. Ich weine, aber keiner nimmt Notiz. Das Wimmern bleibt im Halse stecken. Ich habe Angst und kann kein Wort weiterdenken.
Ich laufe. Einen schleppenden Takt und doch immer schneller, gewaltsam beschleunigt, einer treibend-aggressiven Melodie im Geiste folgend, verfolgt.
Nichts außer mir verfolgt mich, keiner nimmt Notiz. Ich schreie und höre nichts und kann kein Wort weiterdenken.
Kein Ort mehr. Bin schon lange vor den Toren. Außerhalb der Stadt, deren Sprache ich nicht verstehe, ist alles monochrom. Keine Markierung in der Topographie für mich. Ein einziger Wald, ein großes Gestrüpp.Keine Lichtung, ein Abhang. Eis.
Ich falle.
Dumpf.

Und dann ein Moment der Ruhe. Kein Schmerz, So kalt, so warm.
Es war nur ein Moment.
Du Schlampe.

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