Danke 2008

Jonathan

Während auf der anderen Seite des Parks schon wieder Bürgerkrieg herrscht (ich weiß nicht was zynischer ist angesichts all der echten Kriege, zuletzt der israelische Angriff auf den Gaza-Streifen: Das sinnlose Geböller der Halbstarken so zu nennen oder dass sie ernsthaft versuchen, mit ihrem Geknalle Krieg zu spielen), schließe ich langsam das Jahr 2008 ab.

Nebengedanke: Lustiger Gruppenzwang der Christenheit, dass wir uns alle an diesen Kalender halten. Bei den Muslimen war schon vor einigen Tagen Jahreswechsel. Gibt es auch einen Kalender für Agnostiker? Ein Vorsatz für 2009 übrigens: Aus der Kirche austreten. Weiter im Text.

Ein tolles Jahr geht da gerade für mich zu Ende. Ganz privat. Und gegen die Weltgeschichte (Hört endlich auf mit dem Scheiß! Scheiß-Fanatismus auf Märkten, in Machtzentren und Gotteshäusern). Mein 2008 war super. Studium fertig, neue und bessere Wohnung, schöne Reisen, Job, liebe neue Freunde (manche ganz zufällig kennengelernt) vor allem aber ganz in Ruhe eine kleine Familie zusammengeschustert. Haste rischtisch jut jemacht! Der Rückzug ins Private. Kann das gut gehen? Erstmal war’s schön. Schauen wir, wie’s weiter geht.

Auf ein spannendes 2009!

xxx-mas


Björn Kleinhenz - XXX-Mas from hermsfarm on Vimeo.

klein und melancholisch, genau deshalb groß und wunderschön (via).

Liebe
(cc)

Liebe ist …

nicht ganz so einfach. Wenn ich sie aber auf ein paar wenige Grundsätze herunterbrechen müsste, dann auf drei Definitionen die mir weise Menschen vermittelt haben:

1. Liebe ist Respekt.
Das hat uns unser Physik- und Klassenlehrer in der achten Klasse beigebracht. Wir waren im Schullandheim und versuchten uns im Lieben. “For the world you are someone, but for someone you are the world!” hatte Jennifer auf einen Karton gemalt für Mark-Michael. Sandra hat so lang an unserer Profifußballhoffnung rumgebaggert, bis der dann doch irgendwie mit ihr gehen wollte. Ich war eigentlich ein wenig traurig, dass Jennifer diesen Karton nicht für mich gemalt hatte, habe dann aber in langen Zwiegesprächen über unsere bescheuerten Eltern und deren Scheidungskriege in Carola eine Seelenverwandte und meine erste Freundin gefunden. Konrad, der Klassendepp, hat in sechs Tagen acht Mädchen gefragt, ob sie mit ihm gehen wollen. Abgesehen von Dagmars Angebot “Ja, bis zum Mülleimer” hörte er nur Absagen.
Unterm Strich kam es also im Schullandheim zu einigem innigen Händchenhalten, Knutschen und Fummeln. Und damit zu Dingen, die im dümmsten Fall die Aufsichtspflicht des Klassenlehrers tangierten. Der blieb aber cool. Statt uns die Tändeleien zu verbieten, setzte er sich abends mit uns Pärchen zusammen und klärte uns über seine Idee vom gegenseitigen Respekt und dem vorsichtigen Umgang miteinander auf.
Im Schullandheim verlief dann alles recht harmlos, ich habe dennoch noch rund weitere zehn Jahre gebraucht, bis ich das mit dem Respekt ein wenig kapiert habe und nicht mehr in anderer Leute Tagebücher geschnüffelt habe oder dergleichen. Das mit dem Respekt kann ein schwerer Weg sein. Was uns zum zweiten Grundsatz bringt:

2. Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Dieser Satz stammt von Evje van Dampen und es ist wahr. Liebe ist Arbeit füreinander, umeinader und miteinander.

Den dritten Grundsatz hat mein Religionslehrer in der Oberstufe verkündet. Ich weiß nicht so recht, ob er ihn beherzigt hat. Jedenfalls war er trotz all seiner Geselligkeit und seinem Image als coole Sau ein unglücklicher Mensch und ist einsam tragisch und verdammt früh ums Leben gekommen.

3. Liebe ist Geben.
Das gilt nicht nur für Weihnachtsgeschenke. Und ich finde, das ist der wichtigste aber schwierigste Grundsatz. Lange lange habe ich in meinen Beziehung vorrangig genommen und gefordert. Und als ich das erkannt und stark reduziert hatte, wollte und konnte ich immer noch nicht geben. Mein Grundsatz: Ich will nix von euch, also erwartet nix von mir. Den Hut tief ins Gesicht und nach Westen reiten. Wie blöde.
Mir fällt das mit dem Geben aber immer noch schwer. So viel liebe Korrespondenz, die ich nie beantworte. So viele Einladungen, die ich nicht angenommen oder ausgesprochen habe, so viele Ehrentage, die ich vergessen habe. So viele Aufmerksamekeiten für die ich mich nicht bedankt habe. Und das ist größtenteils nur das Zurückgeben.
Andere können das besser. Da kommt ein Kind auf die Welt und diese anderen geben ihrer Freude darüber im Geben Ausdruck. Es ist unglaublich, was in den vergangenen Wochen hier an Liebe ankam. Als Anruf, Brief, Besuch. In Form von Blicken, Lächeln, Einkaufen, Kochen. Von engen Freunden und fernen Verwandten. Liebe ist Weihnachtsgebäck, Babyklamotten, Tigerenten, Freudestrahlen, seeliges Wiegen und eine Reinhard Mey-CD.

Danke.

Wie Hannover

Vor rund 48 Stunden ging es in den Popsplits auf rbb um den Song “Life’s a beat” von Plan B. Es ging also um einen Song von Johnny Haeusler.
Ich kannte Plan B nicht. Also zwar weiß ich, dass es die gab und kannte auch schon die Story, wie sie mal Vorgruppe von The Clash wurden. Aber musikalisch habe ich mir, ehrlich gesagt, nie die Mühe gegeben, Plan B. kennenzulernen. in der Nacht auf Samstag aber, nachdem ich beim ndr gesehen hatte, dass Nana Mouskouri weint ein Buch über Prokratination geschrieben hat, hab ich reingeschaut bei den Popsplits. Voll der Punk war meine Idee von Plan B, von wegen Clash-Support und so. Und dann war das aber gar nicht so. Im Gegenteil, mich erinnerte das doch alles an eine andere Band. Sogar an dem Punkt, an dem Johnny erzählt, die Plattenfirma fand das 1993 voll doof, dass er mit verzerrter Stimme singt, dachte ich, aber das haben DIE doch damals auch gemacht. Jetzt habe ich ein bisschen Plan B gehört und mit denen verglichen und ich bleibe dabei:

Wer Plan B mag, müsste auch Fury in the Slaughterhouse mögen (Zumindest bis “Brilliant Thieves”).

Ich mochte die mal ganz arg. Trotz Hannover. Ich hab einige großartige Konzerte von denen erlebt, zu ihrer Musik geknutscht und so weiter, manchmal auch teenie-esk einsam am Räucherstäbchen ein Tränchen verdrückt, während ihre Platten liefen.
Deshalb: Nichts für ungut, Johnny. Ich mein’s gar nicht so böse, wie es auf den ersten Blick aussieht. Ich mein’s eigentlich überhaupt nicht böse. Und hey, Dein “icy” hat die gleiche Motivation wie Wingenfelders “Rainy April Day” auf der “The Hearing and the Sense of Balance“.

Nun ja. Auch Fury in the Slaughterhouse sind so eine 90er-Nostalgie-Kiste und mittlerweile aufgelöst. Die 90er… Dieses komisch hippieske Jahrzehnt mit Neonfarben, Basecaps und Holzfällerhemden zwischen Nirvana und Mark ‘Oh. Meine Adoleszenz-Zeit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Wie Hannover.


(Direktpäckchen)

Der 28.-beste Song aller Zeiten

Ich hatte schon sexuelle Erfahrungen mit nackten Frauen, bevor ich das erste Mal Musikfernsehen schauen durfte. Wir hatten zuhause nämlich nur drei TV-Programme, bis ich 15 war.

Dann gab es MTV und Ray Cokes und ich fand’s geil. Und hatte eine Geschäftsidee. Deutsches Musikfernsehen! Als ich diese Idee meinen medienerfahreneren Freunden vorstellete, sagten die: Gibt’s bald schon, soll VIVA heißen. Scheiße! Das ist nun auch schon wieder ein Weilchen her. Mehr Erfolg mit deutschem Musikfernsehen hatte der Nilz, wie er hier beschreibt.

Der Nilz beschreibt auch die 100 besten Songs aller Zeiten auf seinem Blog (Da fehlen noch ein paar Plätze, aber das kommt). Das erinnert mich an die Zeit, als ich noch Radiomoderator werden wollte. Da gab es nämlich im ehemals wilden Süden in Kooperation mit dem auch schon verschwundenen Ostjugendradio DT 64 so ne Top 1000-Nummer beim heute dummfusionierten Radiosender SDR3, bei der die Hörer der beiden Hörfunkstationen ihre Lieblingslieder nannten und dann eben in tagelanger Arbeit diese 1000 und mehr Titel als Hitparade in Ultrakurzwelle abgefeiert wurden. So ähnlich ist es beim Nilz. Der hat sich nämlich bei seiner Top 100 auch Mitbestimmer gesucht. Ich zeichne bei Nilzens Schlagerparade für den Platz 28 verantwortlich.

Hier ist er (um mich folgend selbst zu zitieren):

Eigentlich bietet Billy Corgan im neuen Jahrtausend mit Zwan und Soloprojekt und fragwürdiger Reunion genug Angriffsfläche, um ihn nie nie nie in eine Bestenliste guter Musik mit aufzunehmen. Und spätestens nach “Adore” waren seine Varianten des ewig gleichen Sounds erschöpft, alles folgende ist traurige Einöde. Letztlich bleiben die Smashing Pumpkins ein Phänomen der 1990er, welches lediglich aus Nostalgiegründen heute noch hörbar ist. Mit einer Ausnahme: Disarm.
Auch wenn diese schaurig traurigschöne Ballade sicher bei der einen oder dem andern zu oft durch die Boxen lief, die Einfachheit und der Pathos (die sich zugegebenermaßen recht leicht auf die Akkustikgitarre dort und Streicher mit Glocken hier zurückführen lassen), die hier eine seltene Symbiose eingehen, bleiben in dieser speziellen Mischung herausragend. Auch wenn es letztlich selbstmitleidiges Geheule ist, das die schwere Kindheit heranzieht, um die eigenen Schweinereien zu entschuldigen, soviel Schmerz, Sehnsucht, Trauer und Liebe gab es selten in einem kleinen und so eingängigen Lied, “Disarm” ist dabei die Antithese von Nirvanas “Smells like teen spirit”. Beide haben eine gewisse Rotzigkeit, aber während Cobains zu große Hymne trotzig ist, zelebriert “Disarm” die spätpubertäre Verletzbarkeit. Zu Kurt Pogo tanzen, bei Billy knutschen (und dabei auch ein wenig an D’arcy denken), obwohl das Lied vom Wehtun kündet.


[Direktbitternessofonewhoisleftalone]

Und Nilz: Danke für die Glückwünsche!

Freizeitbeschäftigung

Warten, bis der Arzt kommt.

(Nicht zu vergleichen mit Komawarten.)
(Und dann ist er da und am Ende ist er fast begeistert und ich platze vor Stolz.)

Wir wollen nur spielen

Bald wird eine early-alpha-Phase einer Idee nach elend langer Vorbereitungszeit zu einem Blog werden. Ein Spaß-Projekt. Dafür wird ein Photo verwendet, dass wir nicht selber gemacht haben. Dafür wird ein Name verwendet, der häufiger ist, als wir dachten. Dafür haben mir liebe Menschen Zugang zu sensiblen Daten.
Wenn es dumm läuft, streiten wir uns und mit den sensiblen Daten wird Schabernack getrieben. Ich vertraue darauf, dass dem nicht so ist. Ich habe da ein sehr gutes Gefühl. Das ist nur eine theoretische Überlegung zum Datenschutz im persönlichen Rahmen und alles andere als ein Angriff auf den, der die Daten kennt. Aber ich bin ja auch noch nie auf die Schnauze gefallen bei sowas. Die Schlammschlachten blieben mir glücklicherweise einigermaßen verwehrt.
Ich glaube auch nicht, dass die Namens-Mehrfachnutzung schwierig wird. Wir sind nicht so blöde, uns mit monochromen Telekommunikatiosnriesen anzulegen. Wir wollen uns gar nicht anlegen. Aber vorher noch prüfen, ob ein Eigenname (der wie geschrieben, nicht sooo selten ist) eine Marke sein kann? Sollten wir tiefgreifend prüfen, ob die Bildbenutzung wirklich niemandens Rechte verletzt?
Wenn wir das alles nicht tun und trotz Hamburger Richter und diverser Kochbücher (kein Essen auf unserem Bild!) drauf hoffen, dass etwaige Ansprüche erstmal fair auf uns zukommen, wie blöde sind wir dann?
Spaß wird so unglaublich schnell ernst.
Schade.

Obwohl.

Ernst ist jetzt fünf und ein properes Kerlchen!

Get up, stand up, stand up for your rights

Was ich hier schreibe, ist immer noch wenig, aber so insgesamt hinterlasse ich dann doch schon seit bald zwei Jahren da und dort meine veröffentlichten Spuren im Sand Netz. Bei diesen Veröffentlichungen entscheide ich, was für Daten von mir wo rauskommen. Aber beim dazugehörigen Surfen, beim Telefonieren, Mailen und Reisen werden Daten von mir gesammelt und ausgewertet, ohne dass ich das will oder beeinflussen kann, Das ist Scheiße. Ich will auch hier entscheiden dürfen, welche Informationen von mir wer bekommt. Ich will kein Telekommunikationsunternehmen, das meine Kommunikationsdaten speichert (oder von Staats wegen speichern muss), um sie dann an Datensammler verkaufen oder öffentlich verlieren zu können (soll ja vorkommen). Ich will einen Staat, der mich als einen von rund 80 Millionen Souveränen ernst nimmt und für mich da ist und mich nicht andauernd verdächtigt. Der Staat hat mich nicht vorbeugend zu überwachen. Dich auch nicht.

Deshalb geht’s zu diesem Thema auch in diesem Herbst auf die Straße. Ich hoffentlich nicht allein in Berlin. Los geht’s am Neptunbrunnen (Alexanderplatz) um 14:00 Uhr. Nach der Demo gibt’s Musik zum Protest. Andernorts in vor allem Europa könnt ihr am Samstag ebenfalls gegen den Überwachungswahn auf die Straße. Solltet ihr fußlahm sein und euer Geld nicht komplett in der sogenannten Bankenkrise atomisiert wurde, dann wisset: So ein Widerstand kostet Geld. Geld, das ihr spenden könnt.

Und hier Frage und Aufruf an die Combo: Wer ist am Samstag dabei beim Bloggerblock (und wo treffen wir uns)?

Dich denken

Aufgwacht mit dem Rest eines Traumes im Bewusstsein. Die letzte Traumsequenz: Du. Ich will dich im Sinn behalten, auch beim Aufwachen, auch nach dem Aufwachen. Denn du machst mir dieses schöne Gefühl. Da ich nicht mehr träume, muss ich dich denken. Wie denke ich dich?
Du bist zu viel, zu vielfältig für einen Gedanken. Ich kann deine Augen denken, deine Nase, deine Lippen, deine Hände, deine Haare, deine Frisur, wie du riechst. Kann denken, was du anhattest. Dein Becken, dein Bauch, deine Beine, dein Po kann ich denken. Deine Stimme. Sogar besondere Blicke, dein Lachen, dein Lächeln, oder wie du verächtlich die Mundwinkel hochziehen kannst. Kann Berührungen denken. Sätze. Lauter Einzelheiten. Die alle dich ausmachen.
Aber dich denken. So als Summe all der Einzelheiten. Denken als Vorstellung. Gelingt mir nicht. Manchmal, in einem Bruchteil eines Augenblicks, glaube ich, es klappt. Aber dann zerfällt das Bild. Dabei bist du im Traum so klar vor meinem Auge gewesen.
Bist du meine Traumfrau?

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