Alt werden

Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Erwachsen werden und Alt werden. Ich bin gern erwachsen. Schütteres Haupthaar habe ich seit meinem 16. Lebensjahr, die Glatze versuche ich zu überspielen, es gibt Mützem, ich bin fast 1,90 groß. Die Krampfadern am Bein sind zwar hässlich und vieleicht auch ungesund aber ich trage eigentlich nie kurze Hosen und meine Gesundheit empfinde ich als altersunabhängig.
Aber als ich da mit all diesen anderen Eltern beim Kita-Sommerfest war und auf zu kleinen Stühlen sitzen musste und zusah, wie die Kinder für uns Alte zum Beispiel ganz tolle Kritzeleien Bilder mit Wachsmalkreiden auf Papier zwängten und alle sich ausschließlich über den Nachwuchs definierten, solange sie zusammen auf den zu kleinen Möbeln saßen…

Da war ich einfach nicht drauf vorbereitet, eine neue Lebensphase zu beginnen.

Ich glaube, ich werde Elternabende hassen.


100.000 Stimmen für freie Medien | Petition zeichnen, jetzt!

in nicht mal mehr 36 Stunden findet eine Expertenanhörung des Wirtschaftsausschusses des Bundestages statt zu Sinn und Nutzen (haha) von Stop-Schildern im Internet und ihrer Wirksamkeit im Kampf gegen Kinderpornographie. Wenn bis dahin (27.05.09, 11:00 Uhr) mit Stand jetzt noch knapp 5.000 Menschen die Petition GEGEN Internetsperren unterzeichnen würden (aufs Banner klicken!), wären wir 100.000 Menschen, die sich gegen diesen Blödsinn aussprechen.
Also, wer hat noch nicht?

Um was geht’s?

Fürs ausführliche Lesen eine Linksammlung von Netzpolitik.
Das Banner kommt von hier.

Ein Plus für den Kundendienst

Ich habe ein neues altes Mobiltelefon. Also ein gebrauchtes. Aber viel neuer als mein bisheriges. Und dieses neue Mobiltelefon kann theoretisch Internet. UMTS und so.
Nur ich bekomm es nicht hin. Also zum Shop meines Providers gegangen und die Kundenberaterin gefragt, wie ich das mit dem UMTS machen muss.
Sie lächelt wissend und schreibt mir die Homepage einer nicht mit meinem Provider verbandelten Drittanbieters auf, über die sich das gaaaaanz leicht konfigurieren ließe. Ich freu mich und gehe nach Hause und ins Internet auf ebendiese Homepage.
Sieht einfach aus. Am Ende ließ sich aber dort nur die GPRS-Funktion aktivieren. Haha.

Also auf die Netzseite meines Providers. Da lassen sich Handys auch gaaaaanz leicht konfigurieren. Sogar für UMTS. Aber darauf muss die Kundenberaterin natürlich nicht hinweisen. Wieso auch.
Allerdings hilft die Konfiguration dennoch nicht, wie ich nach ihrer selbst herausfinde.
Also Suchmaschinen bemühen.
Über einen anderen als den vorherigen Drittanbieter erfahre ich, dass ich für UMTS eine UMTS-SIM-Karte brauche. Fünf Minuten später habe ich diese Info auch auf dem Webauftritt meines Providers gefunden. Was es dort nicht gibt: Eine Möglichkeit, diese UMTS-SIM-Karte einfach zu bestellen. Zumindest habe ich nach einer weiteren halben Stunde Suchen aufgegeben. Aber eines weiß ich immerhin: Die Karte kostet extra.

Natürlich habe ich den 24-Monatsvertrag erst im März frisch verlängert.
SCHEISSE!!!

Flipping Out

Es war einer der für mich bewegendsten und erhellendsten Filme der Berlinale 2008: Flipping Out, die Doku über junge Israelis, die nach dem Militärdienst nach Indien reisen und da nicht immer ganz klarkommen, um es mal zu untertreiben. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Krieg die Kinder eines ganzen Landes frisst.

Bei René habe ich gelesen, dass der Film nun eine Woche lang online bei arte zu finden ist.
Hier habe ich mir ausführlich über den Film Gedanken gemacht.


(cc by nc sa)

Bitte mitmachen und Petition hier unterzeichnen!
Den ganzen Beitrag lesen

Nein

Warum ich heute beim Volksentscheid in Berlin mit Nein stimmen werde, habe ich bei Spreeblick argumentativ unterfüttert.

Ich schreibe dort jetzt übrigens hin und wieder was. Und das freut mich. Sehr. Ich wohne auch viel näher an der Spree als die neuen Kollegen.

Nie wieder Spandau

Spandau Woolworth

Bis jetzt war Spandau für mich nur eine Zugdurchsage bei der Durchfahrt von Berlin nach Westdeutschland und andersrum. Spandau sagte mir nichts, interessierte mich nicht. Animositäten zwischen Spandau und Berlin habe ich völlig antriebslos und müde manchmal als Neuberliner adaptiert, aber eigentlich war mir Spandau egal.

Bis jetzt. Bis der Verwandtschaftsbesuch einen Bummel durch die Spandauer Altstadt und vor allem zur Zitadelle wünschte.

Ich wusste nicht, dass das Reutlingen, Pforzheim oder Kassel der 90er hier im Nordwesten der Bundeshauptstadt so perfekt konserviert wird. Die Tristesse der westdeutsch-provinziellen Nachkriegsarchitektur trifft auf die ewig gleichen allzeit von der überfälligen Insolvenz bedrohten Warenhäuser und Ramschläden. Und machmal versucht sich jemand am individuellen Gewerbetrieb, scheitert aber schon an der Namensgebung für die eigene Firma. “Boutique It’s OK“, was erwartet mensch da für Klamotten? Heißen Scheiß? Ich glaube nicht, Tim.
Kurzum, die Spandauer Altstadt versteckt ihr kleines historisches Potential gekonnt hinter Unmengen potthässlicher Neubauten und unzähligen White-Trash-Konsumtümpeln. Weg hier.

Hey, aber die Zitadelle! Da sagen doch alle, das lohnt sich. Nun ja.

queen's toilet

Versteckt an der hässlichen Ausfallstraße inklusive Industriegebiet könnte die Zitadelle wirklich ein schön gelegenes und imposantes Denkmal des preussischen Festungsbaus sein. Wäre da nicht eben jene Ausfallstraße mit Industriegebiet, die an einigen Punkten lückenhafte Information zur Zitadelle selbst (Rudolf Hess?), der blöde Zitadellen-Slogan “Mehr als eine Festung”, das für jeden halbwegs historisch bewanderten grausam geschichstverfälschende pseudohistorisch kochende Restaurant mit Kicherkicherwirtschaftswunderaltherrenhumor-Malereien auf den Toiletten und, saisonal bedingt, der noch grausamer geschichtsverfälschende Mittelaltermarkt im Innenhof. Und die Zukunft lässt nicht hoffen, sie erscheint auf kultureller Ebene Bi-Ba-Baby-gnadenlos.

Aber über all das könnte man lachen, es leicht überheblich als schrägen Ausflug in die Provinz abtun. Dazu würde dann auch das Abendessen aus frittierten Steaks zu Gummi-Bratkartoffeln und Fertigsahnesoße im “urigen” Lokal mit den gepflegten Bieren passen (und wieder: back to the 90ies!). Aber es geht schlimmer. Und jetzt ist es bitter ernst.

Um 20:30 Uhr versuchen wir am Karfreitag 2009 vom Rathaus Spandau aus über die dort vorbeiführende und stark befahrene mehrspurige Straße zum örtlichen Bahnhof zu gelangen. Die Fußgängerampel bietet sich für dieses Vorhaben an. Wir warten auf grünes Licht. Die sturzbesoffene adipöse Einheimische nicht. SIe läuft. Um Zentimeter wird sie nicht von einem beschleunigenden Bus erfasst, andere Autos halten mit quietschenden und qualmenden Reifen. Sie geht über die Straße, setzt sich in eine Buswartehäuschen, pinkelt auf die Bank und bleibt sitzen.
Wir gehen in den Bahnhof. Ich schwöre, ich habe in bald sechs Jahren Berlin noch nie so früh am Abend so viele völlig betrunkenen Jungendliche gesehen. Die Jungs sehen alle aus, wie ausm kik-Katalog, die Mädels sind mit “nuttig” noch charmant beschrieben. Die Kids sind aggressiv, sie pöbeln herum, sie torkeln, als sei die Party zu Ende und nicht erst der Beginn der Nacht.

Wir wollen hier weg. Ich fühle mich ganz ernsthaft nicht sicher hier, vor allem nicht mit einem kleinen Kind im Kinderwagen. Wir fragen am Informationsschalter der Bahn nach der nächsten Verbindung in Richtung Berlin. “Dit kann ick ihnen nich sagn mit all die Baustellen.”

Das ist kein Witz. Das war Spandau.
Nie wieder. Jedenfalls nicht, wenn ich ohne Sozialplan vorbeikomme.

Und da glauben alle, Neukölln wäre schlimm.

Du Experte

Ich habe nicht so den Plan von Technik. Ich mag die Idee, dass sich Menschen aufgrund ihrer jeweils spezifischen Fähigkeiten helfen. Deshalb hoffe ich darauf, dass andere mir meine Technik so machen, dass sie mir hilft.

In dieser Hoffnung habe ich mein Netbook mit so ner komischen Linux-Version drauf einem “Experten” auf Arbeit in die Hand gegeben, um es so zu konfigurieren, dass ich ins W-Lan auf Arbeit komme. Hat er nicht so ganz geschafft, der Herr. Dafür ist es ihm gelungen, irgendwas einzustellen, was es mir unmöglich macht, das Netbook zuhause ans Netz zu bringen. Das ging, bevor der Experte seine Finger an dem Gerät hatte.
Toll.
Noch toller, dass er so ein sozial inkompetenter Nerd war, der auf meinen Versuch, sein Tun nachzuvollziehen, mit Kommunikationsverweigerung reagierte, so dass ich jetzt noch nicht einmal den leisesten Schimmer habe, was ich wie rückgängig machen könnte.
Wichtige Dateien vom Gerät nehmen. Betriebssystem neu aufspielen, Updates installieren, wieder bei Null anfangen.
Und ein paar Stunden Zeit vergeudet.
Experte.

No Reli

Die Initiative “Pro Reli”, die in Berlin das abgeschaffte Schulwahlpflichtfach Religion wieder einführen will, wirbt damit, dass sie dafür kämpfe, dass sich die Schüler (oder deren Eltern, ähem) frei zwischen Religions- und Ethikunterricht entscheiden können sollen, während sie momentan alle gemeinsam in einen Ethikunterricht gehen (und Religion freiwillig nebenher machen können).
Nicht nur, dass gemeinsames Lernen und Diskutieren von Werten und Glaube nur gut sein kann, während das nach Bekenntnis getrennte Pauken separiert, der von “Pro Reli” zur Volksabstimmung gebrachte Regelungsentwurf versteckt hinter der angeblichen Wahlfreiheit einen ganz miesen Kulturkampf. Ging es beim ursprünglichen noch um Katholiken gegen Protestanten, versuchen nun sich liberal gebende Christen ganz klammheimlich nicht-christlichen Religionsunterricht abzuschaffen. Aber lest selbst:

Alke Wierth in der taz:

“Pro Reli” stört Reli-Unterricht

Sollte der Volksentscheid Erfolg haben, wäre das wohl das Aus für manchen Religionsunterricht, der bisher an Berlins Schulen erteilt wird. Denn es fehlt auf lange Sicht an qualifizierten LehrerInnen.

Wir müssen diesen verbohrten Jesusfreaks entgegenstehen, wenn es uns um Toleranz und Vielfalt in Berlin gehen soll. Und das nicht erst mit einer Gegenstimme beim Volksentscheid am 26. April. Schon vorher. In dem wir alle offen gegen “Pro Reli” agitieren.

Mehr hier.

Pein am Pissoir

Eigentlich mag ich Pissoirs.
Im Kino hängt da oft pseudopassende aber irgendwie unterhaltsame Werbung. Im Fußballstadion machen angetrunkene Kuttenfans Sprüche zur Penislänge der Pinkelnachbarn. In vielen Kneipen sind da so kleine grüne Plastikgitter eingebaut, auf denen ein Tor steht, in das mann einen kleinen Ball pullern kann, der auffällig oft orange ist (gibt es aber auch in gelb oder blau). Auf Familienfesten ist das der Ort, an dem es einerseits peinlich ist, den ganzen Verwandten so nackt zu begegnen, anderseits lockert dieses Schangefühl auch irgendwie die claninternen Hierarchien auf, wenn mann da so in Reih mit Glied in der Hand steht.

Unschön aber ist der Gang aufs Pissoir bei Veranstaltungen, die “interessierte” Rentner besuchen. Beispielsweise philosophische Ringvorlesungen oder Gastvorträge berühmter Vertreter der klassischen Archäologie. Da triffst Du im Kloraum auf Männer, die vor lauter Humanismus im Hirn ab Mitte 60 nicht mehr so recht können. Die Armen stehen dann vorm Becken und mühen sich trotz knallvoller Blase nur schmerzhaft ein paar Tropfen ab, brauchen ewig beim Einpacken und tattern dabei derart, dass dann dumerweise doch so ein Fleck sich am unteren Ende des Hosenschlitzes auf der khakifarbenen Hise ausbreitet. Dann nesteln sie, mitten im engen Raums stehend und peinlich von ihrem mitleidserregenden Gebahren berührt, unendliche Minuten am Reissverschluss, um endlich den Wollpollunder möglichst tief über die Hose zu ziehen, damit außerhalb der Toilette keiner ihr Malheur bemerken möge. Oft waschen sie sich dann ihre Hände nicht. Wenn doch, dauert es ewig, was die Waschbecken blockiert.
Da bleibt die Würde des Alters vor der Klotür. Die Angst vor der Vergreisung aber nimmt dem eigenen Urinieren die Erleichterung.

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