Spring in der Stadt

Die ersten Tage, die so etwas wie frühlingshaft sein könnten, schaffen es ja regelmäßig, dass alle alle wieder aus ihren Löchern kommen und die meisten etwas netter schauen als in den Wochen und Monaten zuvor..

Gestern habe ich die erste arme Sau aus einer Drückerkolonne an der Wohnungstür abgewiesen. Den Winter über war Ruhe. Er war cooler als ich. “Jetz schaunse doch nich so schlecht jelaunt, der Herr, ick mach ihnen ja nüscht.”
Heute saßen am Gendarmenmarkt schon welche fürs Feierabendbier draußen. Ohne Heizdecke und sicher kälter als die Obachlosen, die seit zwei Tagen auf dem riesigen Abluftgitter auf meinem Heimweg sich die Hintern warm sitzen und eine gemütliche Party feiern.
Am Hauptbahnhof eine Clique Mädchen in Sommeroutfits gesehen. Sie nicht auf die Gefahr der Blasenentzündung hingewiesen.
Aber am besten fand ich den Freak, der am U-Bahnhof Friedrichstraße das Mikro in seiner Gewalt hatte und wirres Zeug laberte, statt das übliche “Einsteigen bitte - Zurückbleiben bitte”

Ich jedenfalls hab mich gefreut. Weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt.

Konterrevolutionär Pinkeln

rosaspuelungJedesmal, wenn ich vor der Personaltoilettentür stehe, vergesse ich, dass sich ihr Dasein als Personaltoilette dadurch auszeichnet, dass sie abgeschlossen ist. Dann zücke ich also den Schlüssel und denke beim Aufschließen, wie bescheuert ich hierarchisch organisierte Toiletten finde.
Wenn ich dann nach Verrichtung der Notdurft die Personaltoilette wieder verlasse, schließe ich brav wieder ab,weil ich aus Angst vor der Autorität nicht wage, gleiche Klos für alle zu schaffen.

Manchmal scheitert die Emanzipation von den Strukturen schon im Kleinen.

Märchenstunde 1: Frau Holle

Max Winde, berühmter Twitterer und erfahrener Podcaster, hat sich mit mir zusammengesetzt, um mit mir uns allen das Märchen von Frau Holle auszulegen.

Warum Selbstmordversuche gegen Klimaerwärmung helfen können, wieso Äpfel keine Münder haben, was zum Teufel eigentlich Pech ist und wieso man in Gegenwart eines Germanisten nie unbedacht „damals“ sagen darf, könnt ihr auch noch in unserem ersten Podcast bei Spreeblick erfahren.

orangenhaut

heute in der bahn auf dem weg zur arbeit saß mir eine orangene frau gegenüber. orangene mütze, orangener pulli, orangener shawl, orangene haut, orangene fingernägel, orangene applikationen auf der braunen ledertasche, einen rostroten poncho mit orangenen fäden. der rest war farblich passend in warmen rot- und brauntönen. oder gelb wie ihre zähne.

Ich mach mich nackig

Neulich auf Facebook (ja, ich bin da auch, wenn du mit mir befreundet sein willst, dann gib mir doch einen Tipp,woher wir uns kennen) wollte die Melli was über mich wissen. Und da ich will, dass wir uns alle vertrauen können, hab ich ihr natürlich sofort alles gesagt, was ich wichtig finde an mir. Und im Sinne des Informations-FKKs hab ich diese Daten auch in dieses kleine Blog eingepflegt. Und da ich immer mehr wichtig finde an mir, werde ich die Liste bei Bedarf (dauernd) aktualisieren. Damit ihr Bescheid wisst.

Dumme Rotze

Ich weiß nicht, wer auf den Ausdruck “die Nase läuft” kam. Meine sabbert, trieft, juckt, brennt und ist dabei gleichzeitig total verstopft. Wäre das Zeug nicht so flüssig, ich hinterließe eine Schleimspur wie eine Nacktschnecke auf Speed. Das hat mit Laufen nix zu tun. Gar nix. Apropos Speed. Bringt mich auf Koks. Hilft das gegen Schnupfen? Gibt’s das auch von ratiopharm? Dann würd ich nen Zug nehmen.

Das älteste Gewerbe

Ich komme neuerdings wieder öfter am Bahnhof Zoo vorbei. Da gibt es einen Zeitschriftenladen, der damals™, als der Bahnhof Zoo noch Kinderspielplatz Fernbahnhof war, ebenso wie die Bahngleise heillos überfüllt war. In den Regalen und Auslagen wie mit Kundschaft.
Heute ist alles übersichtlicher, auch im Zeitschriftenladen. Das Angebot an Printmedien ist geringer als vor der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs. Und die Regale sind auch umgestellt worden. Hinten in der versteckten Ecke steht das Regal mit der Aufschrift “Erotik/Wirtschaft”.

Ein netter Service für den Handlungsreisenden.

Auf ein Neues

Tief hängt das Grau, fast dunkel ist es und die Mauern sind eiseskalt. Am Fenster sucht eine halbleere Sektflasche ein wenig Wärme und Zuneigung und schmiegt sich in den Vorhang, während über allem noch ein Bratfettgeruch liegt, der anfänglich so tut, als korresponidere er mit einem Bratfettfilm, der sich längerfristig auf den Dingen eingerichtet hat. Aber bald schon bestimmt der Geruch der letzten Zimtplätzchen den Raum und nun ist es wirklich dunkel und schwarz und schon wieder vorbei. Und wieder ist dieser Anfang so komisch in Watte gepackt. Wäre es nur ein gewöhnlicher Tag, er wäre mal wieder so unauffällig, dass sich kaum jemand an ihn erinnern würde. Und weil er eben auch ein gewöhnlicher Tag ist, ist auch nicht alles zu Ende gegangen. Die eben noch gezähmten Monster melden sich schon wieder, und es scheint, als ändere sich diesbezüglich wenig.

Weitermachen.

Kicken und Ficken

seitenlinie

Wahrscheinlich gibt es eine bundeseinheitliche Layoutvorgabe für Kreisligafußballspielankündigungen.
Jedenfalls waren die schon in meiner Kindheit auf dem schwäbischen Dorfe in einem mittelhellen Blauton gehalten, der das zentral positionierte weiße Rechteck mit der darin angezeigten Spielbegegnung und die um dieses Rechteck herum plazierte Kleinanzeigen der örtlichen Betriebe umrahmte.
An diesen Grundsätzlichkeiten hat sich auch ein Jahrtausend später hier in der Großstadt nix geändert. Einzig die Kleinanzeiger sind andere. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass aufm Dorf jemals ein Bordell das prominente Anzeigenfeld mittig oben buchte.

Ob es bei Anita auch ein Entmüdungsbecken gibt, in dem ich die Kiezsportler treffen kann?

Lieber Herr Hauen,

die Briefe für Karl, die ich Ihnen für ihn schicken sollte, befinden sich hier irgendwo an verschiedenen Orten im Hause. Wenn ich mal neben all dem vorweihnachtlichen Backen, Singen und Bäumeschlagen dazu komme, auf dem Dachboden, in der Scheuer und im Kontor die alten Postsäcke zu durchsuchen, werde ich sie umgehend sichten und die erforderliche Auswahl dem Boten mitgeben. Aber Sie wissen ja wie das ist, zur Korrespondenz reicht es immer erst nach dem Tagwerk. Und das macht mal wieder vor der Nacht nicht halt. Haben Sie denn den Portraitmaler schon erreicht?

In aller Kürze, die Kerzen sind schon beinahe heruntergebrannt, Ihr treu ergebener

Björn Grau

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