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	<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 19:30:06 +0000</pubDate>
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		<title>Aufpassen</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2013/04/17/aufpassen/</link>
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		<pubDate>Wed, 17 Apr 2013 19:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[bewegt]]></category>

		<category><![CDATA[tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[
(Was Vierjährige eben so vor dem Einschlafen diskutieren wollen.)
Papa, wer ist Gott?
Viele Menschen glauben, dass es einen Gott gibt, der auf uns alle aufpasst.
Was glauben wir?
Was glaubst Du? Gibt es einen Gott?
Nein.
Und wer passt dann auf?
Na, Mama und Du.
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-
Bild &#8220;Take Care&#8221; von tomthejet, Lizenz: cc-by-nc-sa 2.0
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/64582365@N03/7255892316/" title="Take Care von tomthejet bei Flickr"><img src="http://farm8.staticflickr.com/7097/7255892316_5c0b978b01.jpg" width="500" height="333" alt="Take Care"/></a></p>
<p>(Was Vierjährige eben so vor dem Einschlafen diskutieren wollen.)</p>
<p>Papa, wer ist Gott?</p>
<p><em>Viele Menschen glauben, dass es einen Gott gibt, der auf uns alle aufpasst.</em></p>
<p>Was glauben wir?</p>
<p><em>Was glaubst Du? Gibt es einen Gott?</em></p>
<p>Nein.</p>
<p><em>Und wer passt dann auf?</em></p>
<p>Na, Mama und Du.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
<small>Bild <a href="http://www.flickr.com/photos/64582365@N03/7255892316/">&#8220;Take Care&#8221; von tomthejet</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">cc-by-nc-sa 2.0</a></small></p>
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		<title>Pietätlos</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2012/07/28/pietatlos/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 23:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[schmeckt mir nicht]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Donnerstag früh verbreitete sich die Nachricht, dass die Schauspielerin Susanne Lothar mit 51 Jahren diese Woche &#8220;plötzlich&#8221; und &#8220;unerwartet&#8221; verstorben sei. 
Mich triggert sowas. Aus persöhnlicher Erfahrung mit recht plötzlichen und unerwarteten Toten. Weil ich ihre Schauspielerei mochte. Weil es mich als Vater berührt, dass sie zwei nun vollwaise minderjährige Kinder hinterlässt.
Ich habe deshalb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag früh verbreitete sich die Nachricht, dass die Schauspielerin Susanne Lothar mit 51 Jahren diese Woche &#8220;plötzlich&#8221; und &#8220;unerwartet&#8221; verstorben sei. </p>
<p>Mich triggert sowas. Aus persöhnlicher Erfahrung mit recht plötzlichen und unerwarteten Toten. Weil ich ihre Schauspielerei mochte. Weil es mich als Vater berührt, dass sie zwei nun vollwaise minderjährige Kinder hinterlässt.<br />
Ich habe deshalb einige Nachrufe gelesen. Und bin angewidert. </p>
<p>Fast immer geht es darin voller Anerkennung darum, dass sie für die Schauspielerei Grenzen überschritten hat, sich ausgebeutet, die Extreme gezeigt,gesucht, ausgekostet hat, etc. pp. Vielleicht muss das so sein bei großen KünstlerInnen.<br />
Aber beim Lesen fällt auch auf, dass es immer Macker waren, die sie als Regisseure für extreme Inszenierungen eingesetzt, wenn nicht verwendet haben. Ich kann nicht beurteilen, ob Susanne Lothar das selbstbestimmt so wollte oder vor allem im an sich ausbeuterischen Theaterbetrieb nicht anders konnte. Ich finde es aber schon etwas fragwürdig, das Phänomen unhinterfragt in die Lobhudelei eines Nachrufs zu übernehmen.</p>
<p>Mindestens grenzwertig fand ich, dass Lothars schauspielerischer Extremismus in den Nachrufen Print wie auch Online vielfach mit Bildern ihrer halbnackten Performance in Zadeks Lulu-Inszenierung illustriert waren. Natürlich auch bei der neubürgerlichen Boulevardpostille taz. Macht die bloße(!) Darstellung von Verletztsein eine große Schauspielerin aus? Ist ein solches Bild angemessen für einen Nachruf?<br />
Ich sehe durchaus Argumente für die künstlerische Darstellung von Nacktheit auf der Bühne und verstehe, dass diese dann auch durch Fotos nach außen kommen, vielleicht sogar jenseits sexistischer Klischees der Werbung. Das Gemächt von Lars Eidinger kenne ich auch nicht nur von der Schaubühnenbühne direkt sondern aus den Feuilletons.<br />
Aber in der Kombination der (Semi-)Nackheit der Lulu-Bilder mit dem oft schwärmerischen Beschreiben der Lotharschen Kunst, sich von (männlichen) Regisseuren schier kaputt inszenieren zu lassen, erscheint mir hier ein besonders voyeuristisch-sexistisches Amalgam in diesen Nachrufen zu entstehen. </p>
<p>Nun haben Nachrufe immer ein voyeuristisches Moment, aber dass hier die Ausbeutung der nun toten Künstlerin so auf die Spitze getrieben wird, ist schon besonders pietätlos.</p>
<p>Den Gipfel der Unmöglichkeiten hat allerdings für mich Mathias Matussek erklommen. Er durfte sich bei Spiegel Online (Kein Link aus Pietätsgründen) in der neuerdings so beliebten Gattung des &#8220;Nachrufs eines Promfreundes&#8221; üben. Das ist ihm insofern glänzend gelungen, als dass auch er im Nachruf vor allem über sich schreibt und Selbsterhöhung betreibt. Als guter Freund der Familie, implizit als früher Förderer der nun toten Schauspielerin, als offenbar größter Fan und so fort.<br />
Dabei kommt er umfangreich auf die erwähnte Lulu-Inszenierung zu sprechen. Und delektiert sich an der künstlerischen Größe Lothars. Die für Matussek an diesem Punkt vor allem aus ihrem Erbrochenen und ihren für ihn eindeutig hässlichen Brüsten besteht.</p>
<p>Ob noch mehr Chauvinismus, Sexismus und Pietätlosikeit in einem Nachruf möglich ist? Noch mehr Degradierung zum Objekt männlicher Perversionen? Wer solche Freunde hat&#8230;</p>
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		<title>Was vom Kraftfuttermischwerk übrig blieb</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2012/07/18/was-vom-kraftfuttermischwerk-ubrig-blieb/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 20:47:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[bilder]]></category>

		<category><![CDATA[kurznachrichten]]></category>

		<category><![CDATA[passt nirgends rein]]></category>

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		<description><![CDATA[










]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://u1.ipernity.com/23/26/97/13042697.b9ddec5c.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/38/13042738.3940b1e9.1024.jpg" alt="" /><br />
<span id="more-636"></span><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/42/13042742.0c9b4e8a.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/40/13042740.dec7f5fd.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/36/13042736.31ab3317.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/39/13042739.b0351bee.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/34/13042734.990074b6.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/37/13042737.33438909.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/27/35/13042735.703298d8.1024.jpg" alt="" /><br />
<img src="http://u1.ipernity.com/23/26/99/13042699.337b8275.1024.jpg" alt="" /></p>
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		<title>Ach, Sven</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2012/04/02/ach-sven/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 20:50:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[poesiealbum]]></category>

		<category><![CDATA[tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich war neu und wollte die Vorlesung zur Sozialgeschichte der Literatur hören. Und für ein Referat über die Roten Brigaden hatte ich mich auch schon angemeldet. Aber dann wurde mal wieder die Bildung zu Grabe getragen (wahlweise auch geklaut) und ein Vierteljahr später hatten wir uns derart für unsere Zukunft eingesetzt, dass wir uns in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war neu und wollte die Vorlesung zur Sozialgeschichte der Literatur hören. Und für ein Referat über die Roten Brigaden hatte ich mich auch schon angemeldet. Aber dann wurde mal wieder die Bildung zu Grabe getragen (wahlweise auch geklaut) und ein Vierteljahr später hatten wir uns derart für unsere Zukunft eingesetzt, dass wir uns in so einer Art Koalitionsverhandlung für den neuen AStA befanden. Als gute Geisteswissenschaftlerinnen hatten wir uns das Kulturreferat vorgenommen. Wie wir uns das denn vorstellen, wollte der alte Kulturreferent wissen. Lesungen, Filmvorführung, Konzerte, das übliche. Meinten wir. Ob wir da noch mal drüber reden könnten. Wie in: Da müssen wir nochmal drüber reden. Er schlug vor, sich zu treffen. In einer Ecke der Stadt, in der AStA-Referenten eher nicht wohnen. Direkt am Hinterausgang der S-Bahn-Station links. In der Tür ein schwerer, dicker Teppich, der die Kälte draußen und den Rauch drin ließ. Am Tresen Menschen mit grauen Haaren und grauen Gesichtern. In Baumwollsweatshirts und Karohemden. Drüber dünne Leder- oder Jeansjacken. Mehrheitlich langhaarig. Ausschließlich Selbstgedrehte. Hinterm Tresen die Wirtin. Und die kleine Küche für die Suppe und die belegten Brote. Oder den Salat. Mit Schafskäse. Und Oliven. Bis zehn. Danach nur Erdnüsse oder Salzstangen. Nach dem Tresen der Gastraum. Einfache Holztische und Stühle. Darauf ein Kästchen mit Bierdeckeln und alte Plastikascher. Wir reden. Der alte Kulturreferent hatte seiner Mutter ( wohnte in Bayern) zu Weihnachten einen alternativen Berlin-Roman geschenkt. Weil sie glaubt, er lebe so wie in diesem Romanen. Sagt er. Was wir denn unter Kulturpolitik an der Hochschule verstehen. Wir trinken Bier. Schultheiß oder Jever. Wir rauchen. Filterzigaretten. Dass wir einen unreflektierten Kulturbegriff hätten. Weil Kultur doch meist nur dazu dient, die entfremdete Masse zu benebeln. Ablenkung von all dem, was schief läuft in diesem Scheiß-System. Ihr wisst schon. Irgendwas mit Opium. Sagt er. Gauloises. Raucht er. Rote. Fürs revolutionäre Bewusstsein braucht es Marx statt Slam-Poetrie? Naja, so hart will er das auch nicht gesagt haben. Kommt immer drauf an, was für Kultur. Gibt ja auch welche, die sich gegen die herrschende Klasse wendet. Und er hat ja auch immer die billigen Karten für Oper und Schaubühne fürs Studentenwerk verkauft. Ist ja eh subventioniert. Und so. Neues Bier. Wir könnten ja noch Doppelkopf spielen, sagt er. Ich bestelle Salat. Mit Schafskäse. Und Oliven. Am Tresen diskutieren die Menschen mit den grauen Gesichtern und bohren sich Zeige- und Mittelfinger in die Rippen. Vor ihnen stehen Rotweingläser. Die Wirtin dreht am Lautstärkeregler der Musikanlage. Seit einer Weile schon läuft &#8220;Damals hinterm Mond.&#8221;</p>
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		<title>Warum ich erstmal keine elektronische Gesundheitskarte bekommen muss</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2011/11/17/warum-ich-erstmal-keine-elektronische-gesundheitskarte-bekommen-muss/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 10:34:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[schmeckt mir]]></category>

		<category><![CDATA[tagebuch]]></category>

		<category><![CDATA[elektronische Gesundheitskarte]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie unzählige andere auch habe ich in den vergangenen Wochen Post von meiner Krankenkasse bekommen. Darin wurde ich aufgefordert, ein Passfoto einzusenden oder im Netz hochzuladen, mit dem die Kasse dann meine elektronische Gesundheitskarte (eCard) bestücken wollte.
Ich wollte das nicht. Nicht, weil ich komplett datenparanoid bin, sondern weil das konkrete Projekt unausgereift scheint. Im Zusammenspiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie unzählige andere auch habe ich in den vergangenen Wochen Post von meiner Krankenkasse bekommen. Darin wurde ich aufgefordert, ein Passfoto einzusenden oder im Netz hochzuladen, mit dem die Kasse dann meine elektronische Gesundheitskarte (eCard) bestücken wollte.</p>
<p>Ich wollte das nicht. Nicht, weil ich komplett datenparanoid bin, sondern weil das konkrete Projekt unausgereift scheint. Im Zusammenspiel von bürokratischen und technischem Unvermögen sowie deutscher Datenschutzvorgaben ist ein meiner Ansicht nach völlig unbrauchbarer Zwitter entstanden. Im praktischen Einsatz quasi nutzlos, weil vom Datenschutz eingebremst und weil längst nicht alle Ärzte kompatible Technik und notwendige Netzugänge besitzen. Dafür aber technisch in der Lage, alles Mögliche über mich zu speichern ohne brauchbare Absicherung und Verschlüsselung. Quasi das schlechteste aus beiden Welten - Aluhüte und Postprivacy im dümmsten Mashup.</p>
<p>Zunächst habe ich deshalb die Post meiner Kasse ignoriert. Half nichts, sie schickten Erinnerungspost. Deshalb habe ich gestern Abend eine Mail an meinen Sachbearbeiter formuliert.<span id="more-627"></span></p>
<p>Ich habe freundlich(!) darauf hingewiesen, dass meine Versichertenkarte erst dieses Jahr erneuert wurde und noch ein halbes Jahrzehnt gültig sei. Dann habe ich geschrieben, die eCard werde ja kontrovers diskutiert. Dazu habe ich intensiv aus <a href="http://www.linksfraktion.de/positionspapiere/elektronische-gesundheitskarte-jetzt-stoppen/">diesem Positionspapier</a> der Linksfraktion im Bundestag* kopiert, insbesondere den ersten Absatz habe ich beinahe komplett übernommen.<br />
Weiter habe ich die wahre Anekdote weitergegeben, dass Bekannte von mir von ihrer Kasse aufgefordert wurden, die alte Versichertenkarte weiter und neben der eCard mitzuführen, weil die eCard nicht bei allen Ärzten funktioniere.<br />
Zu beiden Punkten habe ich höflich um Stellungnahme meiner Kasse gebeten.</p>
<p>Auch habe ich thematisiert, dass es mir scheint, dass auch die Kassen gar nicht so sehr freiwillig die eCard pushen, sondern politisch gedrängt werden (siehe dazu das Positionspapier der Linken).</p>
<p>Abschließend habe ich um Verständnis darum gebeten, dass ich beim derzeitigen Sachstand die eCard &#8220;nicht nutzen&#8221; möchte, dass das aber bitte nicht als Kritik an meiner Kasse zu verstehen sei, mit der ich (im Großen und Ganzen) zufrieden bin.</p>
<p>Heute morgen rief mich dann der Sachbearbeiter meiner Kasse an. Ich sei ja viel besser informiert als er, soweit er im Bilde sei, könne er meine Einwände nur verstehen. Den einzigen Nutzen, den er mir noch schmackhaft machen könne, wäre, dass das Passfoto vielleicht eventuell dabei helfen könne, Fehlbuchungen zu minimieren, damit ich nicht mit einem 80jährigen Rentern verwechselt werde. Über den aktuellen kasseninternen Diskussionsstand zu Sinn und Unsinn der eCard, wie wir sie kennen, dürfe er leider nichts sagen. Er gehe aber davon aus, dass meine Kritik, die anderer Versicherter und der kritischen Verbände und Parteien auf Dauer bei der Regierung nicht ungehört bleibe.<br />
Deshalb würde er mir anbieten, mich künftig nicht mehr mit Passfoto-Einschickungs-Aufforderungen zu behelligen. Wenn ich von der eCard einmal überzeugt sein sollte, solle ich mich doch bei der Kasse melden.</p>
<p>Das Angebot habe ich gern angenommen.</p>
<p>So einfach kann es sein, sich als mündiger Bürger und Patient zu fühlen.</p>
<p>Da ich gerade keinen Zugriff auf die Originalmail habe und meinen Versicherungsmenschen nicht unnötig in Trouble bringen will, auf Twitter aber gefragt wurde, wie ich die eCard los wurde, das hier alles in dieser Nacherzählungsform ohne konkrete Mustermail und Namensnennungen. So schlau seid ihr selbst, mir das nachzumachen. Mal schauen, ob das bei anderen auch so einfach klappt.</p>
<p>*Ich arbeite bei Petra Sitte, eine der Autorinnen des Papiers, habe aber selbst nicht an dem Papier mitgewirkt.</p>
<p><strong>Update 23.10.2012:</strong></p>
<p>Bei der Verbraucherzentrale Hamburg gibt es eine informative Seite, die unter dem Titel <a href="http://www.vzhh.de/gesundheit/127121/muss-ich-meiner-krankenkasse-ein-foto-schicken.aspx">&#8220;Muss ich meiner Krankenkasse ein Foto schicken?&#8221;</a> verständlich die Rechtslage und die Möglichkeiten, sich der elektronischen Gesundheitskarte zu entziehen, auflistet. Die Seite wird offenbar hin und wieder aktualisiert, im Moment zuletzt Ende September 2012. (<a href="https://twitter.com/bov/status/260719423508344832">via</a>)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Berliner S-Bahn (gestrandet)</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2011/07/31/berliner-s-bahn-gestrandet/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 20:23:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[poesiealbum]]></category>

		<category><![CDATA[tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Für Peter
Da sitzt unter vielen anderen eine Person in einem fahrenden Zug. Zwischen zwei Bissen Rührei schaut sie aus dem Fenster des Bordrestaurantwaggons in den grauen Morgen. Hamburg liegt schon ein gutes Stück zurück, da steht auf einem Nebengleis an einem kleinen Bahnhof im Mecklenburgischen eine Berliner S-Bahn. 
Die Farben des Zuges, das Dunkelkarmin, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Für Peter</em></p>
<p>Da sitzt unter vielen anderen eine Person in einem fahrenden Zug. Zwischen zwei Bissen Rührei schaut sie aus dem Fenster des Bordrestaurantwaggons in den grauen Morgen. Hamburg liegt schon ein gutes Stück zurück, da steht auf einem Nebengleis an einem kleinen Bahnhof im Mecklenburgischen eine Berliner S-Bahn. </p>
<p>Die Farben des Zuges, das Dunkelkarmin, das Ochsenblutrot, das behäbige Gelb zerstreuten kurz aufkeimende Zweifel, ich hätte mich im Zug getäuscht. &#8220;Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir unseren nächsten Halt, Jerichow. Dort erhalten sie Anschluss an eine Berliner Stadtbahn.&#8221; Ich stelle mir den Dispatcher als grinsenden Mann vor. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob Jerichow heute einen Bahnanschluss hätte. An der Berlin-Hamburger Bahn läge es nicht.<span id="more-621"></span></p>
<p>Wie wohl diese S-Bahn bis hier her kam? Sie scheint mehr gestrandet als abgestellt an diesem Hier, dass nun schon viele Kilometer westlich lag. Ein Groß-Stadt-Zug mitten in der Provinz. Was die Menschen dort, wo vorhin das Hier war, wohl über ihre Berliner S-Bahn denken? Ob Sie in regelmäßigen Intervallen deren Bremsklötze warten? Ob sie schonmal im Norden bis Klütz kamen? </p>
<p>Wann wohl diese S-Bahn aus Berlin hierher, also dorthin, kam? Als es noch zwei Städte Berlin gab? Aus welchem Berlin diese S-Bahn wohl hier ins Mecklenburgische kam? Ein Mann, der gerade 77 geworden wäre, kam aus Pommern ins Mecklenburgische und von dort in das eine und dann in das andere Berlin. Die S-Bahn fuhr vielleicht oft vom einen ins andere Berlin. Ob diese S-Bahn mal nach Pommern kommt? Vielleicht sind es keine Schwierigkeiten mehr, aber Herausforderungen sind es schon, diese Bahn aus Berlin zu beschreiben, die im Vorbeifahren in diesem Zugfenster erschien und an einem Ort steht, wo sie fremd erscheint. </p>
<p>Die Kategorien einer veralteten Stadtbahn passen nicht mehr so richtig. Ich weiß nicht, ob diese S-Bahn eine Stadt- oder Ringbahn, eine Zehlendorfer oder eine Wannseebahn war. Grenzen bleiben keine 50 Jahre gleich. Aber die Ordnungen bleiben verschieden und die Erinnerungen sind noch da. In diesem Augenblick mit dieser S-Bahn an diesem kleinen Bahnhof im Mecklenburgischen weit mehr als zum Beispiel am Bahnhof Friedrichstraße, wo weder die Saftbar noch der Friseursalon und erst recht nicht der Sexshop in den irrwitzigen Zwischenetagen davon berichten, das hier einmal zwei Systeme verzahnt waren. Hier ist nun das Gefüge der Assoziationen unwiederbringlich anders gruppiert. </p>
<p>Dort, also wo vor kurzem noch das Hier des Augenblicks war, dort also im Mecklenburgischen ist dieses Gefüge ebenfalls anders, nur aus anderen Gründen. Es gibt hier keine Groß-Stadt, es gab hier keine Verzahnung, auch wenn Boizenburg nah ist. Aber wer hier aus einen eingefahrenen Zug tritt nach langer Fahrt, den Bahnsteig überschreitet und ihn in Richtung Dorf verlässt, der mag Alternativen zu seiner Wirklichkeit finden. </p>
<p>Vor allem aber das Nicht-Hierher-Gehören der S-Bahn, das Fremde im Erwarteten, diese Unordnung im Zeichensystem des Niemandslandes entlang der Fernbahnstrecke, öffnen dir den Raum für ein paar morgendliche Mutmassungen über die Zusammenhänge von Geschichte und Geschichten, von Fiktion und Fakten. Du gehörst hier nicht hin. Schön, dass du da bist. Wo ist Marie?</p>
<p>In Berlin angekommen steigt ein nicht mehr ganz junger Mann aus dem Fernzug. Er hat einmal seinen Fahrausweis vorgewiesen, sein Gepäck  wurde nicht kontrolliert. Warum auch. Er geht hinauf auf das Zwischengeschoss des Bahnhofs, das schon immer Konsummeile war. Er geht quer durch das Gebäude, unter ihm die Gleise eins bis acht. Im Osten geht er hinüber in die U-Bahn-Station. Das Grau des Bahnhofs verschwindet, weiße Kacheln dominieren nun. Der kleine gelbe Zug fährt auf einer isolierten Strecke, die Geschichte durch Wandtafeln konstruiert. Der Mann steigt aus, überschreitet den Bahnsteig und verlässt ihn über die lange Rolltreppe nach oben. Es regnet.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mash my book up</title>
		<link>http://www.graubrotblog.de/2010/12/28/mash-my-book-up/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Dec 2010 21:51:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[schmeckt mir]]></category>

		<category><![CDATA[theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Frühsommer fragte mich Sven, ob wir von der Märchenstunde nicht etwas zum Thema Copy/Paste für die dritte Ausgabe des Architekturmagazins urban spacemag beitragen wollen. Ich wollte und habe (siehe unten) und seit kurzem ist das Magazin gedruckt und gestern kamen meine Belegexemplare und was soll ich sagen? Ich bin total begeistert! So fern mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Im Frühsommer fragte mich <a href="http://www.svenlohmeyer.de/">Sven</a>, ob wir von der <a href="http://xn--mrchenstunde-gcb.net/">Märchenstunde</a> nicht etwas zum Thema Copy/Paste für die dritte Ausgabe des Architekturmagazins <a href="http://www.urbanspacemag.com/">urban spacemag</a> beitragen wollen. Ich wollte und habe (siehe unten) und seit kurzem ist das Magazin gedruckt und gestern kamen meine Belegexemplare und was soll ich sagen? Ich bin total begeistert! So fern mir Understatement liegt und so sehr ich zu meinem Text (siehe unten) stehe, es ist was Besonderes zwischen so viel großartige Gedanken ein paar Zeilen hineinkopiert zu haben.<br />
Das Copy/Paste-Heft des urban spacemag ist ein Architekturfanzine, stilecht mit selbstgeklebtem Cover und tollen Stories. Über kopierte Städte, seriellen Orientalismus, urbanes Unkraut, Rekonstruktionsglaubensfragen, Urheberrechtsprobleme an Gebäuden und eben mein Text zu Copy/Paste in der (eurozentrisitischen) Literaturgeschichte, den ich, siehe unten, hier zweitveröffentliche. Freundlicherweise mit den tollen <strong>Bildern von Frederike Busch</strong>, die den gedruckten Artikel so aufwerten.<br />
Freunde der Architektur, Freunde der Literatur, Freunde der Kulturgeschichte, Freunde des Copy/Paste, Freunde des Graubrots, <a href="http://www.spacedepartment.de/spacemag/2010/08/copy-and-paste/">kauft dieses Magazin!</a></em></p>
<p><a href="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/_mg_4968_k.jpg"><img src="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/_mg_4968_k.jpg" alt="" title="(c) Frederike Busch" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-604" /></a></p>
<p>CTRL-X, CTRL-V ist zwar eine moderne Abkürzung, das Prinzip dahinter aber findet sich schon in alten Rhetorik-Lehrbüchern. Covern klingt nach Pop und Rock, ist dabei auch nichts anderes als das Wiedererzählen ein- und derselben Story. <span id="more-603"></span></p>
<p>Etwas komplett eigenes zu schreiben wäre bis vor wenigen Jahrhunderten einigermaßen gewagt gewesen, brauchte es doch für alles eine Autorität, auf die ich mich berufen konnte. Die Bearbeitung vorhandener Stoffe, war europaweit die längste Zeit Maßstab literarischen Schaffens. Die Kunst lag in der Variation bekannter Stoffe. </p>
<p>Auch war das Abschreiben von Texten genauso wie das (oft ohne Lizenzen geschehene) Nachdrucken immer schon verantwortlich für die Verbreitung von literarischen Werken. Das Kunstwerk war immer technisch reproduzierbar, auch wenn der Begriff erst durch Walter Benjamin vor 75 Jahren eingeführt und durch die Digitalisierung in der jüngeren Geschichte nochmal populärer wurde. Zehn Bücher können öfter gelesen werden als eins. Zum andern ist ältere Kunst schon immer Material für neue Kunst gewesen. Dieses Bearbeiten von Vorlagen, ein Kopieren im weiteren Sinne des Wortes, ist eine grundlegende Kulturtechnik.</p>
<p>Die ersten deutschsprachigen Romane sind ungefähr so original wie es Hell’s Bells in einer Frank-Zappa-Version wäre. Wie die Credits im CD-Booklet vermerkt werden, steht meist schon am Beginn dieser Romane, dass die Geschichte aus alten Quellen stammt. Doch statt einer treuen Übersetzung liefern uns die Autoren Neubearbeitungen, die gern blumiger, ausschweifiger, abgefahrener sind als das Original. Zappa statt AC/DC eben.<br />
Mittelalterliche Ritterromane wie der Parzival Wolframs von Eschenbach sind in ihrem Kern Kopien französischer Texte. Das hat nichts mit einer minderen Qualität originaler Texte aus den feuchten Kammern dunkler teutonischer Burgen zu tun. Frankreich war damals en vogue und wem es gelang etwas französisches noch besser zu machen, war ganz vorne mit dabei. Ein weiterer Aspekt war, das früher auch früher schon alles besser war. So wie ein neues Auto einer Traditionsmarke immer auch mit der Erfahrung der Herkunftsfirma in Konstruktionsfragen beworben wird, ist eine neue Story besser zu verorten, wenn sie auf alten Geschichten aufbaut.</p>
<p>Ovids Metamorphosen waren fast zweitausend Jahre die Grundlage lyrischen Schreibens. Die Vers- und Reimstruktur der deutschen Klassik orientiert sich an der griechischen Antike. Einige von Shakespeares Theaterstücken sind Bearbeitungen von mittelalterlichen Bearbeitungen antiker Vorlagen. Ganz schön weit weg vom Original. Und der Umstand, dass er die antiken Originale hätte kennen können und das Mittelalter zu seiner Zeit jetzt nicht so ultraschick war, lässt vermuten, dass er sich absichtlich für das Cover vom Cover entschied. Shakespeare kopiert zwar, aber nicht entsprechend der angesagten Mode. Ein im Wortsinne eigenartiger Kopierer.</p>
<p>Vom alten Luther gibt es Pamphlete gegen unautorisierte Nachdrucke seiner Texte. Doch ihn nervt nicht das Kopieren an sich. Ihm geht es auch nicht um Originalität oder die Wahrung von Urheberrechten, denn seine Texte hat er nach alten (biblischen, theologischen) Quellen mit Gottes Hilfe, also nicht allein geschrieben. Er ärgert sich „nur“ über die miese Qualität, die vielen Druckfehler in den billigen Kopien. </p>
<p><a href="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/pferd_k.jpg"><img src="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/pferd_k.jpg" alt="" title="(c) Frederike Busch" width="330" height="495" class="alignleft size-full wp-image-606" /></a>Ein Spiel mit Original und Kopie ganz anderer Art erlebt Cervantes mit seinem „Don Quijote“.<br />
Neun Jahre nach seinem ersten und ein Jahr vor seinem zweiten Teil dieser Geschichte erscheint eine unautorisierte Fortsetzung. Da hatte jemand Motive, Figuren und so fort genommen und versucht, mit einer Art Mashup des Originals (das ja selbst eine satirische Bearbeitung des uralten Ritterromangenres ist) auf der noch anhaltenden Ruhmeswelle mitzuschwimmen.<br />
Cervantes muss jetzt schneller schreiben, um seinen „echten“ zweiten Teil gegen die freche Fortsetzung zu positionieren. In seinem Prolog an den Leser schreibt Cervantes, dass er den anderen Fortsetzer nicht beschimpfen wolle, nun aber der richtige zweite Teil komme, in dem der Don „endlich tot und begraben, damit keiner es über sich nehme, neue Zeugnisse seinetwegen herbeizubringen“. Der Held muss sterben, damit ihn keiner kopieren kann. Irgendwie traurig.<br />
Vorher aber begegnet Don Quijote zahlreichen Figuren, die von sich behaupten, sowohl Cervantes’ ersten Teil als auch das Rip-off schon gelesen zu haben, und nun dem Protagonisten der „legitimen“ Fortsetzung seine Authentizität attestieren. Nicht selten geschieht dies unter hämischen Querverweisen auf das Plagiat. Im 62. Kapitel wird der Ritter von der traurigen Gestalt in einer Druckerei in Barcelona sogar Zeuge, wie die falsche Fortsetzung korrigiert wird. </p>
<p>Die rhetorische Faustregel, Kunst entstehe durch Variation und Ausschmückung des Bekannten führte im Extremfall zu dem, was später dem Barock als Schwulst vorgeworfen wurde. Viel Blabla um wenig Story. Die Aufklärung versuchte dann einen nüchternen Zugang zur Kunst. Jetzt sollte nur noch vernünftig geschrieben werden. Doch Kunst blieb ein starres Gebilde aus Regeln und Vorbildern, denen man zu folgen hatte. Kunst war sozusagen nur als gelehrte Kopie möglich. Nur wer im Rhetorikunterricht aufgepasst hatte und die angesagten künstlerischen Vorbilder bestens kannte, konnte Werke von Rang schaffen. Aristoteles&#8217; Poetik und die Imitation vor allem antiker Vorbilder blieben weiter Grundlage guter Texte.</p>
<p>Die Idee, dass Kunst einzigartig und immer neu sein könne, findet, reichlich verkürzt dargestellt, ihren Durchbruch erst im Geniekult kurz vor 1800. Das Konzept der Genialität besagt, dass Kunst ohne Vorbildung am reinsten und besten entsteht. Sie ist in dieser Radikalität wie jedes Avantgardeprogramm weniger ein ernsthaft zu realisierendes Vorhaben als vor allem Provokation gegen bestehende Kunstauffassung. Die neue Kunst, die Originale der Genies sollten das Gegenteil der Regelwerke sein. Keine Schulung in der Redekunst, kein autorisierter Katalog an Stoffen. Kunst sollte ungebildet entstehen. Das war für die Verfechter des Geniekults bei den sogenannten Volksliedern und -märchen der Fall. Die kamen nicht aus dem Gymnasium und der Uni, sondern vom Bauernhof und vom Herdfeuer. Und sie wurden eifrig gesammelt, wie eben bei den Brüdern Grimm (die haben ihre genialen Stoffe dann doch bearbeitet, um sie den geneigten bürgerlichen Lesern gefälliger zu machen).</p>
<p>Eine große Hilfe ist den Geniefreunden die beginnende Industrialisierung. Sie führt mit der Fabrikproduktion die Arbeitsteilung ein. Nun können ungelernte Proletarier ein Produkt in großen Mengen herstellen. Aus bürgerlicher Sicht eine minderwertige Handlung im Vergleich zu einem vom Handwerker gefertigten Einzelstück. Alles, was in Serie hergestellt wird, bekommt so einen faden Beigeschmack. Künstlerisches Schaffen soll nun nicht mehr an Reproduktion erinnern, das Cover kann nicht mehr so gut wie oder besser als das Original sein.</p>
<p>Aber, wie gesagt, das alles ist mehr Anspruch als Wirklichkeit. Der Geniekult gleicht einem jeden Manifest. Radikal in den Forderungen, mild im Geschmack. Auch ein Vorreiter dieser Bewegung wie der junge Goethe kommt mit zunehmendem Alter nicht ohne die alten Griechen und seine restliche Bibliothek aus. Sein Faust (erster Teil) ist auch zu Zeiten des Geheimrats schon ein beispielsweise im weit verbreiteten Faustbuch überlieferter, jahrhundertealter Stoff und wäre ohne frühere Bearbeitungen wie der des Engländers Christopher Marlowe kaum denkbar.</p>
<p>Parallel zum Originalitätskult gab es auch immer Gegenbewegungen. Ein Beispiel dafür ist das Wiener Volkstheater in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während die hohen Original-Künste weiterhin für ein ausgesuchtes Elitepublikum aufgeführt wurden, entwickelten sich privatwirtschaftliche Bühnen in den Kleinbürger- und Proletariervierteln. Hier wurde gespielt, was ankam und wirtschaftlich war. Am besten ging das mit Persiflagen von bekannten Theaterstücken und mit einem bekannten Pool an Charakteren. Wiedererkennungseffekte und Popularisierungen boten der Kundschaft verlässliches und waren günstiger zu produzieren als ewig neue Stücke. Dennoch wäre es falsch, diese Texte und Aufführungen als minderwertig abzutun, strotzen sie doch oft von großartigem Sprachwitz und beißender politischer Satire.</p>
<p>Mitte des 20. Jahrhunderts setzt ein neuer Sinneswandel ein. Verwandt mit den Ideen der Dekonstruktion und theoretisch von Strukturalismus herkommend, propagieren die Analytiker dieses Wandels nicht nur den Tod des Autors, sondern auch die Intertextualität.<br />
Kurz gesagt kann kein Text ohne den anderen bestehen, jeder neue Text entsteht aus vielen alten, ob das nun eindeutige Zitate oder strukturelle oder thematische Ähnlichkeiten sind. Gerard Genette hat dafür einen schönen bildhaften Begriff eingeführt: Diese Texte nennt er „Palimpseste“, was bis dato der Begriff für eine Manuskriptseite war, von der ein alter Text abgeschabt (das Prinzip Tintenkiller kennen wir aus der Schule) wurde, um einen neuen draufzuschreiben. Meist blieb dabei aber etwas vom alten Text übrig. </p>
<p>Jorge Luis Borges treibt die Palimpsesthaftigkeit nicht nur von Texten sondern von Sprache allgemein in „Die Bibliothek von Babel“ von 1941 auf die mögliche Spitze. Die Bibliothek wird als unendlich dargestellt. Aufgrund dieser Unendlichkeit enthält sie alle Kombinationen der Buchstaben des lateinischen Alphabets, und damit auch alle Texte aller auf diesem Alphabet basierenden Sprachen. Niemand vermag einen Text zu verfassen, der nicht potentiell schon in einem Buch dieser Bibliothek steht. </p>
<p><a href="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/bucherstapel_k.jpg"><img src="http://www.graubrotblog.de/wp-content/uploads/2010/12/bucherstapel_k.jpg" alt="" title="(c) Frederike Busch" width="330" height="495" class="alignleft size-full wp-image-605" /></a>Da auch in Zeiten der Originalität alle Autoren immer auch Leser sind und die gelesenen Texte mindestens fragmentartig in unseren Köpfen bleiben, hinterlassen diese Spuren in unseren Gedanken und tauchen irgendwie irgendwo irgendwann auch in unseren eigenen Äußerungen wieder auf. So wird es mitunter schwierig, Henne und Ei sauber zu trennen. Dies Wiederaufnahme von Texten anderer kann unbewusst oder bewusst geschehen und vom Motiv über das Zitat zur Collage bis hin zum Plagiat reichen. </p>
<p>Umberto Eco ist nicht nur ein großer Theoretiker dieser intertextuellen Vernetzung von Texten, er lebt sie als Schriftsteller auch exzessiv aus. Sein „Der Name der Rose“, in dem unter anderem ein Bibliothekar namens Jorge von Burgos mitspielt, ist zu großen Teilen zusammenkopiert. In den investigativen Unterhaltungen des William von Baskerville (selbst eine Anspielung auf Sherlock Holmes und den Hund aus dem gleichnamigen Ort sowie den mittelalterlichen Philosophen William von Ockham) sind abschnittweise Texte der mittelalterlichen Scholastik eingeflossen und dann mit Zitaten von moderneren Philosophen wie Wittgenstein gewürzt. Explizit gemacht wird das nicht. Die Leser finden diese Dinge nur, wenn sie sie vorher schon kannten.</p>
<p>Ein Beispiel der jüngeren deutschen Vergangenheit: Juli Zehs Anti-Bildungsroman „Spieltrieb“ von 2004 orientiert sich grob an Robert Musils „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“, ganze Abschnitte sind aus dessen „Mann ohne Eigenschaften“, die Hauptfigur heißt wie ein Roman von Nabokov, eine Figur spricht immer wieder in den Versen eines polnischen Dichters. Die musikalischen Anspielungen gehen von Joshua Kadison bis Evanescence.. Wer will kann den Romantitel auf Schiller zurückführen, der hat das Wort Spieltrieb populär gemacht in „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Und genau darum geht’s in Zehs Roman.</p>
<p>Spieltrieb und Ästhetik haben viel mit Covern und Kopieren zu tun. Kinder ahmen nach beim Spielen. Weil’s Spaß macht. Natürlich lässt sich leicht lästern, dass spielenden, also covernden Schriftstellern nichts Neues einfällt. Aber andersherum gedreht ist es eben eine besondere Leistung, Althergebrachtes neu zu arrangieren (in der E-Musik ist dies die anerkannte Kunst von Orchester und Dirigent, wenn sie das Werk eines Komponisten neu interpretieren). Und auch für Dichter gilt, was Studenten zu ihren Seminararbeiten gesagt wird: Wer bei einer Person abschreibt, ist ein Dieb. Wer bei vielen abschreibt, ist klug. Wer es schafft, bei allen abzuschreiben, ist ein Ausnahmekünstler. </p>
<p>Insofern hat die Anfang 2010 so durchs Mediendorf getriebene Helene Hegemann mit ihrem mexikanischen Schwanzlurch und dessen tödlichen Verkehrsunfall viel richtig gemacht. Wer nach Plagiatsvorwürfen sechs Seiten Angaben über diverse zitierte Werke nachreichen muss, hat zumindest im Prinzip verstanden, wie Mashups funktionieren. Dumm nur, dass das deutsche Feuilleton die Genienummer immer noch toll findet und zu dreiste Zitate kenntlich gemacht werden müssen.</p>
<p>Wenn nun aber Abschreiben, Kopieren und Covern das neue und alte Cool sind, was ist dann das eigene und besondere daran? Wie wird aus Zusammenkopieren Kunst? </p>
<p>Wenn es dafür eine klare Regel gäbe, könnte jeder mit etwas Auswendiglernen der Methode Top-Bücher schreiben. Da das immer noch nicht passiert, muss wohl auch hinter gutem Covern ein Geheimnis liegen. Und das ist der Überraschungsmoment der neuen Zusammenstellung, das Gegen-den-Strich-Bürsten des Bekannten, der Witz in den Anspielungen.<br />
Es ist nicht alter Wein in neuen Schläuchen, eher alter Käse in neuen Sandwichrezepten. Oder der Unterschied zwischen der AC/DC-Coverband vom Feuerwehrvereinsfest und der leider nicht existierenden Hell’s Bells-Version von Frank Zappa.</p>
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		<title>Die Weihnachtsgeschichte von R.</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 22:38:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[bewegt]]></category>

		<category><![CDATA[passt nirgends rein]]></category>

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		<description><![CDATA[R. hatte gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen damals Zuhause. Dann änderte sich dort das System. Bald war Krieg. R. verfolgt das bis heute. Trauma sagen die Ärzte. R. hat später hier eine Frau kennengelernt und nach ein paar Jahren kam ein Kind. Er hat alles getan für dieses Kind. Außer ihm Grenzen zu setzen. Stundenlang hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>R. hatte gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen damals Zuhause. Dann änderte sich dort das System. Bald war Krieg. R. verfolgt das bis heute. Trauma sagen die Ärzte. R. hat später hier eine Frau kennengelernt und nach ein paar Jahren kam ein Kind. Er hat alles getan für dieses Kind. Außer ihm Grenzen zu setzen. Stundenlang hat er mit dem Kind gespielt, am Tag und in der Nacht. Oft hab ich ihn draußen am Spielplatz gesehen, wie er geduldig das Kind auf der Schaukel geschaukelt hat. Im vorletzten Sommer wurde R eingebürgert. Er wollte das, auch um endlich Arbeit zu finden. Da war das zweite Kind schon unterwegs. Und als es da war, hat R. noch mehr als sonst den Haushalt geschmissen, sich um das große Kind gekümmert, das kleine im Wagen herumgefahren.</p>
<p>Dann war Weihnachten. Und Schnaps. Und dann schlägt er auf seine Frau ein. Sie holt die Polizei. Sie zeigt ihn an. Auch für zwei andere Male aus den Wochen zuvor, bei denen sie die Polizei nicht gerufen hatte. Er bestreitet diese andere Male. Sie zieht mit den Kindern weg in eine andere Stadt. R. darf den Kontakt zu ihr nicht suchen. Er versucht, sich umzubringen, hat aber Schiss davor. Das Jahr wechselt. Er will seine Kinder wieder sehen. Er geht zur Therapie. Er hört mit dem Saufen auf. Konsequent. Kontrolliert durch den Amtsarzt. Er will seine Kinder wiedersehen. Die Anwältin seiner Frau hat Bedenken. Das Jugendamt hat Bedenken. Er kämpft um die Kinder. Er verbockt ein Vorstellungsgespräch. Manchmal geht er bei einem Freund im Laden aushelfen. Meist sitzt er dort nur herum. Wie in der Wohnung, die er penibel sauber hält. Wenn er nicht zur Therapie oder zu den Anwälten geht, um für ein Treffen mit den Kindern zu kämpfen.</p>
<p>Im Herbst darf er für eine halbe Stunde in der fremden Stadt, wo seine Frau mit den Kindern lebt, im Jugendamt unter Aufsicht eines Jugendamtmitarbeiters seine Kinder sehen. Das große Kind freut sich, fasst schnell Vertrauen. Das kleine Kind kann mittlerweile laufen und plappern. Sie spielen 20 Minuten zu dritt. R. hat ein Video davon. R. strahlt seit 10 Monaten zum ersten Mal wieder.</p>
<p>R. muss sich vor Gericht für seine Gewalttätigkeit verantworten. Er gesteht, bittet wiederholt um Entschuldigung und bekommt eine Bewährungsstrafe. In Absprache mit seinem Anwalt bietet er ein symbolisches Schmerzensgeld an. Das Gericht lobt seine Besserungsbemühungen.<br />
Vor wenigen Tagen wird R. mitgeteilt, dass das zweite Treffen mit seinen Kindern abgesagt wurde. Ein Arzt der Frau hatte im Sommer, als sie in einer Reha-Maßnahme war, den Eindruck, dass das große Kind Scheu vor Männern habe. Und nach dem Vater-Kind-Treffen im Herbst hatte es schlecht geträumt. Vielleicht hat es ein Trauma durch den Vater, meinen seine Frau und das Jugendamt.<br />
R. verbringt Weihnachten allein.</p>
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		<title>Mann! Mann! Mann!</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 10:22:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kata Strophe</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[schmeckt mir nicht]]></category>

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Bild: cc-by-sa mpires
Ein Gastbeitrag von Kata Strophe:
Eines vorweg: Ich lasse jetzt mal so prinzipiell und ganz bewusst diesen ganzen unlesbaren Kram mit  -Innen, _innen und /innen, diesen feministischen Quatsch, weg. Es ist ja klar, dass auch Frauen gemeint sind, aber das muss man ja nicht immer extra erwähnen und um die Männer hat man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/mpires/5015343129/" title="The shark von Miguel Pires da Rosa bei Flickr"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4154/5015343129_76d9bf08af.jpg" width="500" height="337" alt="The shark" /></a><br />
Bild: cc-by-sa <a href="http://www.flickr.com/photos/mpires/">mpires</a></p>
<p><em>Ein Gastbeitrag von Kata Strophe:</em></p>
<p>Eines vorweg: Ich lasse jetzt mal so prinzipiell und ganz bewusst diesen ganzen unlesbaren Kram mit  -Innen, _innen und /innen, diesen feministischen Quatsch, weg. Es ist ja klar, dass auch Frauen gemeint sind, aber das muss man ja nicht immer extra erwähnen und um die Männer hat man sich in letzter Zeit eh viel zu wenig gekümmert. Und die Leute, die hier in Deutschland leben, aber aus anderen Kulturkreisen sind, das sind ja Mitbürger, und irgendwie auch mitgemeint, aber muss man ja auch nicht immer so politisch korrekt alles dazu sagen, das ist doch allen längst klar. Und diese türkischen Machos, die will ich auch gar nicht mit einschließen, weil die respektieren uns deutsche Frauen ja auch nicht!</p>
<p>So. Ich möchte Ihnen einfach mal wieder schreiben und das auch mal etwas ausführlicher, denn so ein <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,727648,00.html#ref=top">SPON-Artikel</a> kann ja nur an der Oberfläche kratzen von der Oberfläche, auf der ich mich befinde. </p>
<p>Es ist mir ein Bedürfnis, mit Ihnen, dem Wähler, in Kontakt und Austausch zu sein, vor allem über das, was ich in letzter Zeit so gelernt habe, und worüber ich jetzt einfach mal laut nachdenke  – und ich finde Ihre Kommentare dazu interessant. Mir liegt es  auch ganz persönlich am Herzen, Sie  gleich am Gelernten teilhaben zu lassen, weil ich denke ja so wie Sie, der Deutsche  (also Deutschinnen würde sich ja auch bekloppt anhören) und ich muss Ihnen ja nicht erklären, wie Sie denken. Und wenn ich mal nicht so denke wie Sie, dann kann ich mich trotzdem total gut in Sie reinversetzen. </p>
<p>Zum Beispiel beim Thema Kinderkriegen. Das ist mir immer noch total wichtig und ich wünsche mir auch selbst welche, und deshalb weiss ich auch, wie es Ihnen, den Familien, geht, kenne Ihre Nöte und Sorgen. Ich habe ja schließlich auch <a href="http://twitter.com/kristinakoehler/status/29612524273">Eltern</a>. Und was ich nicht weiss, das hat Röschen gezeigt, wie das so ist bei der typisch deutschen Großfamilie  mit Pony und unzähligen Golden-Retriever-Welpen. Kinder sind eben ein Geschenk des Himmels und eine Frucht der Liebe.<br />
Wie man diese Gottesgabe mit unterwürfigem Geschlechtsverkehr in Verbindung bringen kann, das fällt auch nur diesen homosexuellen Alt-68ern ein! Geschlechtsverkehr ist lebensnotwendig für die Menschheit und sichert unseren Fortbestand, aber diese alten Feministinnen haben das irgendwie mit diesem komischen Mann-Frau-Gefasel in Verbindung gebracht und behauptet, dass  das was  mit Macht und diesem Hierarchiezeugs  zu tun hätte. Man stelle sich das mal vor: eine Gesellschaft, die die Unterwerfung der Frau braucht, um fortzubestehen, das wäre ja ein Patriarchat, also ein entsetzliches System, in dem ich nicht leben wollte!</p>
<p>Und deshalb gibt es das ja auch nur bei den anderen Kulturkreisen, diesen <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/schroeder-schlaeger-sind-keine-coolen-kerle/1930060.html">Machokulturen</a>, die ich ganz oben auf meiner Agenda habe, das versichere ich Ihnen, liebe Deutsche. In aller erster Linie ist es mir dabei wichtig, Sie, den Schüler auf dem deutschen Schulhof, vor diesen Anfeindungen aus dem anderen Kulturraum zu schützen. Denn diese Machos, die mögen Sie, ja uns Deutsche, nicht; dafür, dass wir nicht in so einem System leben, dass die Frauen unterwirft, feinden sie uns an. Und das ist dann nämlich auch  Rassismus. Darüber habe ich in letzter Zeit echt <a href="http://www.youtube.com/watch?v=sepyOQdT2Zo">viel gelernt</a>, weil ich mich ja nun um <a href="http://twitter.com/kristinakoehler/status/26557722587">diese ganzen extremistischen Initiativen</a> kümmern muss. </p>
<p>Also: wenn so eine migrantische Minderheit uns Deutsche  dafür hasst, dass wir einfach in der Mehrheit sind und privilegierter und eben nicht so machomäßig ticken, dann nennt man das  Deutschenfeindlichkeit und da dürfen Sie, lieber deutscher Bürger, zurecht verärgert darüber sein. Und auch ängstlich ja, das dürfen Sie und ich nehme das sehr ernst, denn: diese Minderheit, die bei allen gesellschaftlich und  politisch relevanten Prozessen und Positionen die Hebel in der Hand hält, die dreht den Spieß ratzfatz um. Und das wäre ja eine Gesellschaft, also in der wollte ich nicht leben!</p>
<p>Aber nochmal zurück zu dem Faden, den ich immer verliere, wenn ich mal wieder über so viel Neues nachgedacht habe: die Frauen, diese notorischen Geisteswissenschaftlerinnen. Ich meine, wir leben ja nicht in so einer türkisch-arabischen Machogesellschaft und daher ist ja wohl jede Frau selbst schuld, wenn Sie nicht Elektrotechnik studiert. Sie könnte ja, wenn sie denn nur wollte. Ich nenne das Chancengleichheit – man muss sie eben auch nutzen, die Chancen! Und wenn Frauen dann doch mal als Ingenieurinnen arbeiten und weniger als ihre Kollegen verdienen, dann ist das schon problematisch.<br />
Aber es gibt da ja nicht so viele Frauen in der Branche, das Problem trifft also nur wenige. Eine Frauenquote, dieses Eingeständnis politischen Versagens, wäre da ja völlig verfehlt. Wir müssen die Jungen und Männer fördern und nicht noch diese Quoten-Störerinnen in die Chefetagen und Vorstände loben. Und marktwirtschaftlich gesehen ist doch auch eines klar: für Unternehmen zählt  die individuelle Leistung und nicht das Geschlecht, da schreibe ich den Chefs doch nichts vor. </p>
<p>Meine Rezepte  gegen all diese Probleme kennen Sie, meine lieben Herren:<br />
Erstens frühe Deutschförderung, denn es kann ja nicht sein, dass man im eigenen Land nicht mehr versteht, wie man beschimpft wird. Und zweitens männliche Erzieher und Lehrer in Kitas und Schulen. Es grenzt nämlich fast an ein Wunder, dass es überhaupt so viele Männer in gut bezahlte Jobs und in die Chefetagen schaffen, bei der Übermacht von  Frauen schon im Kindesalter.<br />
Und die letzten Studien, meine Herren, die haben es bewiesen: Sie, der Mann, ist, im Gegensatz zu den Frauen, schlecht in der Schule, kränker, depressiver und mehr Herzinfarkt gefährdet, ergo: Sie sind das eigentlich vernachlässigte, schwache, ausgebeutete Geschlecht in einer angeblich männlich dominierten Gesellschaft und  Arbeitswelt.<br />
Aber wie soll das denn bitte gehen? Denn wenn Sie, der Mann, wirklich die Macht hätten, dann lebten wir ja in so einem Macho-Patriarchat und das wäre doch echt plemplem und mit mir ja auch nicht zu machen. Als Ministerin bin ich ja das beste Gegenbeispiel – und warten Sie ab, bis ich als erste Frau im Weltall Ehe, Kinder und Karriere vereinbare, ohne dabei so feministisch rum zu lamentieren, dass das unmöglich sei. </p>
<p>Und deshalb sage ich auch meinen Kritikern in aller Deutlichkeit: wer meine Befunde nicht teilt, der muss auch sagen, wie er es besser machen würde. Und da habe ich in den letzten Jahren, gerade aus der feministischen Ecke, noch keine gangbaren Wege vernommen. Sie wollen immer nur die Verhältnisse mal grundsätzlich in Frage stellen und das alles differenziert sehen.<br />
Also ich bitte Sie, liebe Kritiker, es ist doch nicht so schwer: Deutschenfeindlichkeit ist auch Rassismus und Feminismus ist auch Männerdiskriminierung. </p>
<p>Und das ist ja auch das freche, ja peppige an dieser, meiner spritzigen neuen Generation von konservativen Frauen – wir denken unkonventionell. Denn, liebe Besitzstandswahrer der angeblichen Errungenschaften des Feminismus, man kann das Rad der Geschichte nicht einfach anhalten, man muss es auch mal ganz frech und mutig richtig weit zurück drehen!</p>
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		<title>Worm Tamer</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 22:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Grau</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[bewegte bilder]]></category>

		<category><![CDATA[musik]]></category>

		<category><![CDATA[schmeckt mir]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ich halte Grinderman 2 für ein wunderbar nichtinnovatives Album. Ganz ironiefrei. Und das Konzert vor einiger Zeit in der C-Halle war das beste Kopf-frei-Blasen seit Langem. Und weil ich mir dort die Paperbackausgabe von &#8220;The Death of Bunny Munro&#8221; besorgt habe: Das war zu Jahresbeginn die schmerzhafteste Lektüre seit Langem. Ich mag Nick Cave.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="500" height="306"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/YovCWp20nJ0?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/YovCWp20nJ0?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="306"></embed></object></p>
<p>Ich halte Grinderman 2 für ein wunderbar nichtinnovatives Album. Ganz ironiefrei. Und das Konzert vor einiger Zeit in der C-Halle war das beste Kopf-frei-Blasen seit Langem. Und weil ich mir dort die Paperbackausgabe von &#8220;The Death of Bunny Munro&#8221; besorgt habe: Das war zu Jahresbeginn die schmerzhafteste Lektüre seit Langem. Ich mag Nick Cave.</p>
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