Wildes Schnüff

Ich habe davon gehört und mich darüber gefreut. Dann habe ich den Trailer (Äonen nach allen anderen) gesehen und musste weinen. Aus Nostalgie und aus Freude. Und weil aus einem der schönsten Bücher (wie oft ich mir das aus der Bücherei ausgeleihen habe, damals…) ein schöner Film geworden sein könnte:


(Direktwild, via Nerdcore)

Du Experte

Ich habe nicht so den Plan von Technik. Ich mag die Idee, dass sich Menschen aufgrund ihrer jeweils spezifischen Fähigkeiten helfen. Deshalb hoffe ich darauf, dass andere mir meine Technik so machen, dass sie mir hilft.

In dieser Hoffnung habe ich mein Netbook mit so ner komischen Linux-Version drauf einem “Experten” auf Arbeit in die Hand gegeben, um es so zu konfigurieren, dass ich ins W-Lan auf Arbeit komme. Hat er nicht so ganz geschafft, der Herr. Dafür ist es ihm gelungen, irgendwas einzustellen, was es mir unmöglich macht, das Netbook zuhause ans Netz zu bringen. Das ging, bevor der Experte seine Finger an dem Gerät hatte.
Toll.
Noch toller, dass er so ein sozial inkompetenter Nerd war, der auf meinen Versuch, sein Tun nachzuvollziehen, mit Kommunikationsverweigerung reagierte, so dass ich jetzt noch nicht einmal den leisesten Schimmer habe, was ich wie rückgängig machen könnte.
Wichtige Dateien vom Gerät nehmen. Betriebssystem neu aufspielen, Updates installieren, wieder bei Null anfangen.
Und ein paar Stunden Zeit vergeudet.
Experte.

Lobet den Herrn

In der U-Bahn sitz einer, Typ bei Mutti wohnender Informatikstundent im Grundstudium. Er hat in der einen Hand sein iPhone, es zeigt auf dem Display Klaviertasten. In der anderen Hand hält der Mann ein antiquarisches Kirchengesangsbuch, aus dem er, in unregelmäßiger Frequenz und sichtbar ohne auf den Takt zu achten, Melodien auf die Telefonklaviatur klimpert.

Tanz Deine Revolution

Am Samstag wandert der engagierte Kapitalismuskritiker in der BRD durch Frankfurt und Berlin um eine andere Welt zu erlatschen. Wohl dem, der da im Vorfeld seinen Rhythmus gefunden hat.
Den Berlinern kann dabei am Freitagabend geholfen werden. Rainer von Vielen spielt in der Stadt auf und macht unter anderem die Revolution tanzbar:


Direkt-Revoltanz

Und wer schon mal vorhören will, das 2001er-Album “0160-98236130″ gibt der Künstler hier für lau.

No Reli

Die Initiative “Pro Reli”, die in Berlin das abgeschaffte Schulwahlpflichtfach Religion wieder einführen will, wirbt damit, dass sie dafür kämpfe, dass sich die Schüler (oder deren Eltern, ähem) frei zwischen Religions- und Ethikunterricht entscheiden können sollen, während sie momentan alle gemeinsam in einen Ethikunterricht gehen (und Religion freiwillig nebenher machen können).
Nicht nur, dass gemeinsames Lernen und Diskutieren von Werten und Glaube nur gut sein kann, während das nach Bekenntnis getrennte Pauken separiert, der von “Pro Reli” zur Volksabstimmung gebrachte Regelungsentwurf versteckt hinter der angeblichen Wahlfreiheit einen ganz miesen Kulturkampf. Ging es beim ursprünglichen noch um Katholiken gegen Protestanten, versuchen nun sich liberal gebende Christen ganz klammheimlich nicht-christlichen Religionsunterricht abzuschaffen. Aber lest selbst:

Alke Wierth in der taz:

“Pro Reli” stört Reli-Unterricht

Sollte der Volksentscheid Erfolg haben, wäre das wohl das Aus für manchen Religionsunterricht, der bisher an Berlins Schulen erteilt wird. Denn es fehlt auf lange Sicht an qualifizierten LehrerInnen.

Wir müssen diesen verbohrten Jesusfreaks entgegenstehen, wenn es uns um Toleranz und Vielfalt in Berlin gehen soll. Und das nicht erst mit einer Gegenstimme beim Volksentscheid am 26. April. Schon vorher. In dem wir alle offen gegen “Pro Reli” agitieren.

Mehr hier.

don’t be afraid of what you’ve learned

ich mag gitarrenpop und eingängige melodien. schunkeln mit indie-entschuldigung, sozusagen. hier gehen wir:


direktpelzi
furr von blitzen trapper.

austritt nur durchs labyrinth

ich habe es jetzt auch endlich vollendet. in berlin kostet das nichts, mensch muss sich dazu nur bei gericht erklären. um aber aus dem kirchenaustritt eine steuerersparnis zu machen, muss mensch desweiteren zum finanzamt, um sich dort die konfessionslosigkeit auf die lohnsteuerkarte eintragen zu lassen (lustig, dass die jesusstory damit losgeht, dass sich seine eltern in steuerlisten eintragen, während meine kirchenstory fürs erste damit aufhört, dass ich mir wegen der steuer ebenfalls was eintragen lasse).

das für mich zuständige finanzamt versteckt sich hinter einem gerüst und hat einen unscheinbaren eingang. die dame an der pforte weist mir den weg zur kirchensteuerstelle: rechts den aufzug nehmen. in den sechsten stock fahren, rechts den gang bis zum ende, da wieder rechts, da im treppenhaus einen stock höher und schon bin ich da.
ich nehme rechts den aufzug, fahre in den sechsten stock, steige in richtung rechts aus dem fahrstuhl und sehe keinen gang, sondern ein treppenhaus mit einem schild “kirchensteuerstelle” das die treppe hinauf weist. nach einer weiteren rechtsdrehung ist da auch ein gang, den ich bis zum ende gehe, da wieder rechts. nur da ist kein treppenhaus. also zurück zum treppenhaus am aufzug mit dem wegeweiser zur kirchensteuerstelle.
treppe hoch. dort ein schild, dass die kirchensteuerstelle linker hand verspricht. was es links gibt, ist eine tür auf der steht “kein durchgang”.
aber rechts gibt es büros. mit menschen drin. ich frage sie: wie komme ich den zur kirchensteuerstelle?” einer antwortet: “die tür links ist, verschlossen, nicht war?. dann müssen sie einen stockwerk tiefer in den gang rein, bis da am ende rechter hand ein zweites treppenhaus kommt …” ich: “da kommt kein treppenhaus, da war ich schon.” er: “kann sein. dann versuchen sie es zwei stockwerk tiefer.” ich lache ein wenig verzweifelt und sage: ” na, irgendwie werd ich’s schon finden!” ein anderer finanzamtsmitarbeiter ruft aus der tiefe des büroraumes: “nicht gleich aufgeben!”.

ich gehe zwei stockwerke tiefer, den dortigen gang entlang. am ende rechts. ein paar verwinkelte und spärlich beleuchtete räume. in einem hängt ein papier neben der tür, auf dem geschrieben steht: “es sieht zwar nicht so aus, aber es geht hier noch weiter!” drunter ist ein lachendes smiley angedruckt.
ich glaube dem paier und es hat recht. da ist ein zweites treppenhaus. ich gehe zwei stockwerke nach oben und sehe ein schild, dass zur kirchensteuerstelle weist. ich folge, finde das entsprechende büro, lasse mir die konfessionslosigkeit auf der lohnsteuerkarte eintragen, bedanke mich und gehe zurück in das zweite treppenhaus, steige hinab ins erdgeschoss, gehe einmal rechts, einmal links und bin wieder an der pforte. dort erklät die dame vom amt einer frau den weg: rechts den aufzug nehmen. in den sechsten stock fahren, rechts den gang bis zum ende, da wieder rechts, da im treppenhaus einen stock höher und schon sind sie da.
ich mische mich ins gespräch ein.

anbauen für den eigenbedarf

seit heute im garten: himbeeren, brombeeren, rote johannesbeeren, kohlrabi, pfefferminze und bärlauch. karotten, gurken, tomaten, salbei und ein paar andere sachen kommen später dazu.
mal schauen, was wir ernten.

respekt

samstagnachmittag an der supermarktkasse. hinter mir eine autochthone berlinerin um die 60. hinter ihr zwei frühpubertäre jungs mit migrationshintergrund, sporttaschen, chips und limo. einer von den beiden drängelt an die dame hin, um seinen einkauf aufs laufband zu bekommen. sein kumpel pfeift ihn zurück: “ey, lass das und zeig doch mal ein bisschen respekt!” die dame dreht sich um zu den jungs und sagt: “weißt du überhaupt was respekt ist? du hast das gerade ganz schön verwendet. toll! ich hätte das von einem wie dir nicht gedacht.”
das gegenteil von gut gemeint…

unfassbar?

als nun wegen tim k. wieder alle ganz entsetzt waren über die schlimmen zustände an den schulen und weil da so viel gemobbt wird und so viel gewalt herrscht, da hat es natürlich keinen interessiert, dass das statistisch blödsinn ist,weil die zahlen für derlei dinge rückläufig sind.
die erwachsenen haben in den vergangenen tagen im fernsehen und in der zeitung mal wieder gern so getan, als hätten sie in ihrer schulzeit so etwas nicht erlebt.

ich bin wohl auch ein erwachsener. nur: zu meiner schulzeit gab es mobbing. dauernd. täglich. war ganz normal, damals in den 90ern. wir „intelektuellen“ aus der Theater-AG haben uns offen über die loser mit den viererzeugnissen lustig gemacht. insofern die muckis hatten, haben wir verkopften entsprechend beim sport gelitten. in der grundschule war ich eher schüchtern. einige meiner klassenkameraden, die bescheid wussten über die strengen regeln meiner mutter bezüglich heimkehruhrzeiten, machten sich einen spaß daraus, mich nach gemeinsam verbrachten nachmittagen nicht gehen zu lassen. in der unterstufe auf dem gymnasium hatten wir dann einen klassendepp, den wir aus spaß zum klassensprecher gewählt haben, um ihn dann bei der amtsausübung zu verhöhnen. nach der schule haben wir ihm sein fahrrad kaputt gemacht, den ranzen weggenommen und so fort. den klassendepp der mittelstufe haben wir nie auf unsere partys eingeladen und das dadurch demonstriert, dass an den haustüren der jeweiligen feierlocation “wir müssen draussen bleiben”-schilder mit seinem photo hingen. andererseits haben wir ihn überredet, dass er für uns partys gibt. und dann haben wir die stereoanlage seines vaters unter wasser gestzt. weil es ging.

und auf die fresse gab’s auch. nicht täglich, aber regelmäßig. ich zum beispiel wurde von der griechengang aus dem nachbarort gepiesakt, weil ich für deren geschmack eine zu große fresse hatte. ich habe mich aufgrund massiver unsportlichkeit selten geprügelt, es dabei aber einmal doch geschafft, einem mitschüler so eine zu zimmern, dass er grenzwertig lange keine luft mehr bekam.
aber das ging härter: es gab eine skinheadgang bei uns, die skater blutig geschlagen haben, wenn man sich traf. einem haben sie das gebiss entfernt durch auflegen des kopfes auf den bordstein und folgendes nachtreten. die söhne von einem unserer lehrer haben katzen aus der nachbarschaft angezündet. springmesser hatten wir mit 14, 15 fast alle. wurfsterne und schlagringe waren etwas weniger verbreitet, aber da.
apropos lehrer. natürlich gab es engagierte lehrer. und graue mäuse. aber auch opfer. meine klassenlehrerin in der dritten klasse musste uns mehrmals mit heulkrampf verlassen, weil wir sie fertig gemacht haben. die siebtklässer damals hatten die gleichen ziele wie wir, nur andere mittel. sie haben sabotageakte an ihrem auto vollführt. doch ein nicht ganz kleiner teil unserer lehrer waren arschlöcher, zyniker und sadisten. du wurden von sogenannten pädagogen schüler an den ohren gezogen, in den hintern getreten, öffentlich verhöhnt, in mülleimer an der klassentür gesetzt, von der schule gemobbt.
ich berichte hier passend zu tims amoklauf anekdoten aus einer jugend im wohlhabenden stuttgarter umland…

das ist nicht cool oder witzig. das ist ganz große scheiße. scheiße namens schule. und ich wäre der letzte, der sich beschweren dürfte. ich hatte immer top-noten, durfte mich in den verrücktesten ags verwirklichen, galt allermeist als vorzeigeschüler (streber) mit sozialem engagement und hatte überdurchschnittlich oft die engagierten lehrer unserer schule im unterricht. dennoch habe ich als langwierigstes erbe der schulzeit neben dem tollen abizeugnis einen alptraum mitgenommen. vor prüfungssituationen träume ich noch jahre nach dem letzten schultag, dass ich bei einer englischklassenarbeit versage. und wenn das schon mir so geht…
da auch viele schulgeschichten meiner eltern und deren geschwister von mobbing und keilerei berichten, habe ich so eine idee:
schule ist psychoterror für fast alle. nicht nur rütli in neukölln. auch gymnasium in der schwäbsichen kleinstadt. sicher ein anderer terror, aber terror. schule als terror in einer lebensphase in der sich alles vom kopf auf die füße stellt und umgekehrt, in der pubertären zeit der verunsicherungen und des sich selbst suchens ist potentierter psychoterror. schule, so wie sie ist, geht eigentlich gar nicht.
aber solange die erwachsenen so tun, als hätten sie keine ahnung, was in der schule abgeht, wenn sie also verdrängen, wie es bei ihnen war und deshalb ignorieren, was ihre kinder durchmachen, solange wird sich da nichts ändern. und solange fördern erwachsene die kluft zwischen sich und den kids. wir brauchen andere schulen. aber solange es keine anderen erwachsenen gibt, werden wir sie noch nicht mal denken können.

das unverstandensein, dass aus der ignoranz der elterngeneration herrührt, ist zu einem gewissen grad vielleicht sogar notwendig für die pubertät. aber in der geballten form des “ich wusste doch gar nicht, wie schlimm das ist” ist sie nährboden für gefährliche jugendliche parallelwelten. und auch die parallelwelten der kids wurden wie gerade frisch entdeckte planeten in den medien präsentiert in den vergangenen tagen. da gibt es ja jede menge amokläuferfans, wo doch die tat so unfassbar ist.
ist sie das?
die tat selbst kann ich auch nicht nachvollziehen. die phantasie und die ihr verwandte verehrung des täters aber schon (zumindest solange ich an den täter und nicht an seine opfer denke). von den erwachsenen offensichtlich unverstanden (siehe u.a. oben) seinen platz finden in einer gesellschaft, deren regeln man noch nicht versteht, die hart sind und oft ungerecht erscheinen oder sind, das kann schon überfordern und einem ein ohnmachtsgefühl bereiten.
ich reagiere auf überforderung und ohnmachtsgefühle bis heute mit gewaltphantasien. liegt wohl an meiner jähzornigen ader. am dienstag beispielsweise qualmten so ein paar dumpfbacken die s-bahn voll, pöbelten und rotzen rum. für vernunftargumente gegen ihr handeln waren sie zu viele, zu aufgekratzt und zu besoffen. sowas kotzt mich an. so jemand will ich in diesem moment heimzahlen, dass er mich mit seinem verhalten quält. dann malte ich mir aus, wie ich ihnen mit den stiefeln ins gesicht springe. mit all seinen folgen. ich kann oft nicht anders in solchen momenten.
solche momente gibt es jede menge inder pubertät. jugendliche werden ständig überfordert, gereizt, in ihren bedürfnissen ignoriert usw. weil keine zeit für sie ist, weil sie in ihrer adoleszenten explosivität nicht in normen passen, weil sie sich selbst und sich gegenseitig in die quere kommen, … und in der überforderung neigt man dann zur pauschalisierung. ich gegen die gesellschaft. und weil ich mich nicht traue, feier ich den vermeindlich mutigen, in den sich dank seiner selbsttötung auch alles hineinprojizieren kann. der wehrt sich ja nicht gegen die vereinnahmung durch andere gefühlte außenseiter.
ich habe allerdings ausreichend erziehung, vernunftbegabung, verantwortung gegenüber frau und kind, also irgendwie reife, dass ich meine phantasien und den sie begründenden ärger aushalte und nicht in handlung umwandle. ich bin aber auch keine 17 mehr. und mit 17 kam ich nicht an schusswaffen. wobei ich für mich glaube, dass ich auch damals schon zusätzlich zu harmoniesüchtig war, als das ich je hätte so durchticken könnn. unterm strich war und bin ich wohl “gefestigt” genug, um nicht amokzulaufen.
und so geht es der ganz großen mehrheit. aber ist die ganz große mehrheit auch gedanklich wirklich so weit weg von tim k., wie es den anschein haben kann zur zeit? seid ihr alle da draußen so friedliche menschen? hattet ihr in eurer jugend nie identitätskrisen und das diffuse gefühl, ihr steht irgendwie gegen die eltern, lehrer, masse, gesellschaft, welt?
ehrlich: ich hoffe ihr kennt diese emotionen. denn wer ausgrenzung, überforderung und ohnmacht plus konstruktive gegenstrategien kennt, kann hoffentlich denen ein vorbild sein, die noch nach gegenstrategien suchen.

nachtrag (15.03. 23:53):
drei beiträge, die (so lese ich sie zumindest) von ähnlichen dingen handeln und dabei wichtige differenzierungen oder ergänzungen bieten:
http://www.julieparadise.de/2009/03/15/madchenkoma/
http://amidelanuit.wordpress.com/2009/03/14/und-jetzt/ (via)
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/03/15/die-verantwortung-der-presse/

ich habe vor drei stunden mal versucht, zusammenfassend auf die weit über hundert reaktionen in den kommentaren und auf den verschiedensten blogs zu reagieren: hier

ansonsten glaube ich, dass es “beste” oder “wichtigste” texte immer nur für jede(n) einzelnen selbst geben kann.

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